Ein Haferkasten und keine Burg

Von Franz (Fotos) und Michael (Text) – Wieder Wellin. Wieder werden wir mit großer Wahrscheinlichkeit nach unserer Tour nicht in das gleichnamige Waldhotel einkehren können. Weil: wieder Ruhetag. So viele Weh.
Überraschung dann einige hundert Meter weiter im Wald. Die ersten Pilze sprießen, Stinkmorchel, Pantherpilz, aber auch brauchbare wie der Perlpilz. Martin macht ausgiebig Gebrauch von diesem Angebot. Ein Bekannter geht im Hochsauerland sogar schon auf Sommersteinpilze, er kennt ein kleines, spezielles Revier.

Ursprüngliches Wandererlebnis

Franz, der als Streckenkurator offenbar in letzter eine Vorliebe für das märkische Sauerland entwickelt hat, hat kürzlich einen sehr naturbelassenen, längeren Waldweg entdeckt. Wir laufen auf saftig-feuchtem Moos über eine vergessene, nicht mehr genutzte Spur. Äste liegen hier seit Jahren, ab und an liegt ein verrottender Baum quer über den Weg. Hier hat sich die Natur zurückgeholt, was ihr ist, und beschert uns ein ursprüngliches Wandererlebnis.
Eine Borkenkäferverwüstung reißt uns auf den Boden der Tatsachen zurück. Ein Harvester zieht sich ungerührt einen kranken Baum nach dem anderen rein und hinterlässt in kaum mehr als 30 Sekunden containergerechte, entastete Stämme, so um die 11,5 Meter. Auf den zahlreichen Poltern in den Böschungen ist sogar mit neonroter Farbe tätowiert, wo die Reise aus dem Sauerland hingeht: nach China, nach Korea. Weil manchmal ganze Hänge kahl sind, zieht sich vor dem Auge eine Breitwandleinwand auf. Der Blick reicht hinüber bis nach Wildewiese.

In der Genussbäckerei

Wir laufen auf Pungelscheid zu, einen Ort von historischer Größe, wie Franz weiß. Als ehemaligem WR-Journalisten ist mir nur ein Lokalkollege in Erinnerung, der über Pungelscheid schrieb/schreiben musste. Wie ihr richtig zwischen den Zeilen lest, bist Du hier nicht ganz gerne. Das bestätigt uns auch eine Verkäuferin in der örtlichen, gut beleumdeten Genussbäckereifiliale, als wir sie nach der ehemaligen Burg Pungelscheid fragen. Nee, lacht sie, kenne sie nicht, sie arbeite hier nur.

König für 100 Tage

Jetzt sind wir aber Franzens Thema. Denn Pungelscheid hat mit Freiherr Theobald Stephan von Neuhoff im 18. Jahrhundert einen echten König hervorgebracht. Theo setzte sich an die Spitze der korsischen Unabhängigkeitsbewegung und wurde am 15. April 1736 von einem Konvent der Bevölkerung zum König Theodor I. von Korsika gewählt. Gut, gerade mal für 100 Tage. Aber irre Geschichte über einen, so würde die heutige Jugend sagen, durchgeknallten Adeligen, der in Europa als Agent unterwegs war. Creepy! Mehr lest ihr auf Wikipedia.
Von der Burg Pungelscheid allerdings steht nix mehr. „Müsste eigentlich hier sein“, rätselt Franz. Joo, wenn Du dir um den gemauerten Brunnen in der Straße Alt-Pungelscheid eine Burg denken würdest, wärest Du hier richtig. Wir sind dran vorbeigelaufen.

In unwegsamem Gelände

Wo wir gerade beim Adel sind. Haus Grimminghausen Kilometer später lassen wir rechts liegen, hier waren wir schon mal, und schwenken hinter dem Herrenhaus rechts ins Geplente hinunter zu Mauerresten, die offenbar mal Wirtschaftsgebäude waren (Vermutung!) Den Berg hoch zu unserem Ausgangspunkt verlaufen wir uns in unwegsamen Getümmel und kommen irgendwo zwischen Rärin und Wellin wieder (!) heraus.

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