Dieser überwältigende Blick

Von Franz (Fotos) und Michael (Text) – Die Ankündigung klang verlockend – „Auf bergigen Pfaden an der Lenne“ -, die Anfahrt von Elspe durch das Lennetal nach Nachrodt war gelinde gesagt ein Fiasko.
Wenn Du nach mehr als 100 Minuten Fahrzeit, sechs bis sieben ampelgesteuerten Baustellen und einer Vollsperrung vor Altena dann beim Austreten auch noch in eine Tretmine flammst, dann fängt der Tag an wie gebrauchtes Klopapier. Wobei die Vollsperrung der B236 vor Altena nur konsequent ist. Es ist das häßlichste Einfalltor in eine Stadt, das man sich vorstellen kann, entlang eines heruntergekommenen Industriegeländes. Nun gut, genug Altena gedisst.

„Fast alpine Qualität”

In Nachrodt huschen wir über die Brücke der Lenneschleife – natürlich ampelgesteuert – und schlüpfen in ein mannsenges grünes Wurmloch, das in einen manchmal nur fußbreiten, rutschigen Steilpfad mündet. Franz murmelt etwas wie „fast alpine Qualität“ und der Blick zurück fällt fast spektakulär auf den Lennebogen und die gegenüberliegenden Klippkes, einen steilen, schrundigen Felsabbruch.

Ein funkelnder blauer Pfeil

In Stenglingsen, einem eigentlich nichtssagenden Wohn- und Industriegebiet, erwartet uns bei der erneuten Querung der Lenne das nächste Highlight. Beim Blick von der Brücke auf den darunterliegenden Fluss zeigen sich fast sofort eine Wasseramsel und ein funkelnder blauer Pfeil: ein Eisvogel. Besser noch: An einem Obergraben, der zu einem Aluminiumwerk führt, sitzt noch ein Eisvogel und legt sich in aller Ruhe einen kleinen Stichling zurecht. „Der Fisch hat mehrere Einzelstacheln auf dem Rücken und ist schwer zu schlucken“, meint Franz. Der Eisvogel lässt sich weder von spürbar auf der Straße und der Brücke nah vorbeidonnernden Lastwagen bei seinem Mahl stören noch durch uns. Ich bin am nächsten dran, vielleicht nur sechs, sieben Meter, und mache das erste Eisvogelfoto meines Lebens ausgerechnet mit einem Smartphone.

Saftiger Orchideen-Buchenwald

Ein Stück Weges führt über die laute Straße, auch aus dem Alu-Werk brüllt der Lärm. Schnell ins Naturschutzgebiet Klippkes, im zickzack hoch folgen wir der Tour von Mr. Pfade, von dem auf dieser Seite schon mal die Rede war. Unter diesem Nickname kundschaftet er Touren auf schmalen Steigen und Wegen aus, auch in dicht bewohnten Ecken, ein Spurensucher, ein Stadtindianer, ein wahrer Pfadfinder. Der saftige Orchideen-Buchenwald kontrastiert heftig gegen fossige, vom Käfer zerfressene Fichtenpinsel. Unter einer vitalen Eiche mit ausladenden Ästen wettern wir einen ersten Schauer ab.
Ab Letmathe-Grüne ist es nur noch ein Auf und Ab. Steil einen Kalkrücken hoch, vom Butterberg runter, den Löffelberg wieder rauf. Auf der Steilklippe über Nachrodt ein letzter, überwältigender Blick ins verregnete Tal mit dem träge daliegenden Lennebogen.

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