Angenehm, sehr angenehm!

Von Franz (Fotos) und Michael (Text) – Hier kannst Du auch im Sommer richtig abheben: Wie Überreste eines Zechenturmes ragt das Stahlskelett der Meinhardus-Schanze in Meinerzhagen auf, Matten ermöglichen Skispringern ihren Sport unabhängig vom Winter.
Als geerdete Schlenderer bleiben wir lieber am Boden und nähern uns der Sprungschanze aus der Froschperspektive. Ein schattiger Pfad mit einem blauen „H“ für Höhenflug führt vom Wanderparkplatz zum Schanzengrund. Aus der Nahsicht erkenntlich: Es sind sogar drei Schanzen, die linke ganz niedlich, auf die Babyschanze würden wir uns auch noch wagen, oder, Langer? Franz zieht die Perspektive durch die Linse vor.

Koomm, Nuri, koomm!

Sportlich bekannt ist Meinerzhagen auch durch eine berühmte Persönlichkeit der Stadt, den früheren BVB-Profi Nuri Sahin. Nuri (als gelegentlicher Teil der Südtribüne darf man ihn duzen) pusht seit Jahren seinen Heimatverein RSV. Derzeit hängt der Aufstieg als berechtigter Tabellenzweiter der Oberliga Westfalen in die Regionalliga noch an rechtlichen Fragen. Das Stadion des RSV wird jedenfalls schon mal ertüchtigt mit Blick auf Zukunft und Regionalliga. Wird Nuri als ein starker RSV-Sponsor auch eine (eigene) Südtribüne haben? Legendär war die Reaktion in Dortmund, als Sahin nach seinem ersten Einsatz nach seiner Rückkehr zum BVB von den Fans zur Südtribüne gelockt wurde: „Koommm, Nuri, koommm!“ Entenfell, als rund 25.000 Fans in der Gelben Wand den Rückkehrer hochleben ließen. Wir wünschen Nuri mit dem RSV Meinerzhagen alles Gute und ziehen weiter.

Ein wanderbares Gedicht

Und was wir erleben mit allen Sinnen, gefällt uns. Wunderbare Pfade durch Gras (und Brennessel)-Auen, schattige Haine, flüsternde Bächlein, bei sehr angenehmen Temperaturen ein wanderbares Gedicht. Die Luft ist erfüllt von süßem Duft, die Landwirte fahren die zweite Mahd, das nährstoffreiche Grummet, ein.

Hier ist was los!

Mit dem Großen Teich stoßen wir auf eines von mehreren Gewässern. Hier ist was los! Ein Gewimmel von Insekten, vor allem Libellen fühlen sich hier, pardon, pudelwohl. Franz erkennt Prachtlibelle, Plattbauch, Azurjungfer, Blaupfeil, Heidelibelle, Königslibelle… Oh! Eine ist ist den Teich geplumpst und schon machen sich zwei fette Karpfen auf, den Ort der Unruhe und des Strampelns zu suchen. Wir rätseln: Libellenkörperpflege oder Schwächeanfall? Ein langer Grashalm wird zur Rettung.
Haus Listringhausen, ein barockes, ehemaliges Rittergut, müssen wir unbedingt erwähnen. Es wurde 1621 erstmalig erwähnt, 1897 von Heinrich Dresler, einem 23-jährigen Kreuztaler Kaufmann erworben und von ihm renoviert. Heute befindet sich der gelbe Solitär im Besitz eines Industriellen und wird dem Vernehmen nach forstwirtschaftlich genutzt.

Leicht gekräuseltes Türkis der Genkel

Ein gutes Stück hinter dem Gut blinken auf dem grünen Gegenhang dicke gelbe Ballen. Ein Landwirt presst das Grummet mit einer Maschine und hinterläßt plastikumwickelte Gebinde. Nichts mehr von alter Bauernromantik, von geschnürten Heuballen, die mit Forken auf einen Hänger gestemmt wurden. Tempi passati.
Dann nähern wir uns der Genkeltalsperre. Vor uns fliegen zwei Buntspechte auf vor der türkisfarbenen Wasseroberfläche des Sees. Herrlich! Sag‘ ich jezz ma. Ein aus Wackersteinen aufgeschütteter Damm trennt das Vorbecken ab, hier buttern wir und schlinzen ins Licht. Leicht gekräuseltes Blaugrün der Genkel, wenig Menschen, noch weniger Lärm, ein kühles Lüftchen vom See: angenehm, sehr angenehm!

 

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