Frieden. Jetzt.

Von Franz (Fotos) und Michael (Text) – „Na, schon Notizen gemacht?“ – „Nee, eigentlich fehlen mir angesichts der derzeitigen Lage die Worte.“ Nur eins nicht. Krieg. Ein häßlicher Begriff. Und der Moloch ist gar nicht mal so weit weg und walzt über die Ukraine hinweg.
Vor zwei Wochen haben wir noch gejuxt über das Verkehrsschild „Durchfahrt für Panzer verboten“ am Kloster Oelinghausen. Jetzt stehen wir bedröppelt am Waldfriedhof in Arnsberg, machtlos, hilflos, ohnmächtig, fassungslos und können nur zu plakativem, billigem, vermutlich wirkungslosem Symbolismus greifen und Frieden fordern. Den Irren im Kreml schert das einen Scheißdreck, ob sich Millionen Menschen entsetzt über sein Kriegsverbrechen solidarisieren mit der Ukraine und ihre Social-Media-Accounts fluten in den Nationalfarben Blau-Gelb oder Hashtags #StandWithUkraine etcetera.

„Waffen, keine Mitfahrgelegenheit”

Den bisher bemerkenswertesten Satz im Ukraine-Krieg äußerte Präsident Wolodymyr Selenskyj: „Ich brauche keine Mitfahrgelegenheit, sondern Waffen“, sagte er, als ihm angeboten wurde, ihn und seine Familie aus Minsk zu evakuieren. Vielleicht waren es Sätze wie diese, die unsere Ampel-Koalition zum Umschwenken bewegten, bevor sie einen Nanometer entfernt an der Wand der Wirklichkeit zerschellt wäre. Auf einmal geht es. Waffenlieferungen, Aufrüstung, weitere Kohleverstromung (und weitere Gas- und Kohle-Lieferungen aus Russland!), möglicherweise sogar weiter Atomkraft, Realpolitik eben. Aber am Arsch die Räuber: Wer weiß, ob der Faschist in Moskau nicht auch noch zu Atomwaffen greift oder den Westen angreift.

Bio-Waffe: Borkenkäfer

Die Gegend, wo wir rumlaufen, sieht ebenfalls zerstört aus, allerdings wurden im Sauerland biologische Waffen eingesetzt. Borkenkäfer. Die Anreise von Sundern zum Waldfriedhof führt über eine kurvenreiche Straße und vormals bewaldete Höhen. Als wir loslaufen, ist der Boden noch knüppelhart gefroren, der Temperaturunterschied im Laufe der Wanderung reicht von -2 bis +13 Grad. Wo die Sonne hinreicht, ist der Untergrund aufgeweicht und die breiten Spuren, die die kettenbewehrten Harvester hinterließen, erinnern, scheiße noch mal, an die Verwüstungen der russischen Panzer in der Ukraine. Im Sauerland wächst es nach mit der Zeit, die Wunden, die die Panzer im ukrainischen Land hinterlassen und die Menschenleben, die sie fordern, werden in Generationen nicht verheilt sein. Warum macht er das?

Butterbettchen-Brücke

Na ja, immerhin erfreuen uns auf der Tour Bezeichnungen wie „Butterbettchen-Brücke“, ein U-förmiger Steg über ein Bächlein. „Ist mal ein schöner Übergang“, meint Franz. Joo. Wir passieren die Hellefelder Höhe (502,8 m) und vor Hellefeld steigen wir vorsichtig wie Igel beim Geschlechtsverkehr über einen Brombeerdornen-verrankten Pfad zum Hubertus-Bildstock. Die Sandsteinnase des Heiligen ist genauso verwittert wie die seit Dekaden ungenutzte Bank davor. Der Zugang zur Kirche des Ortes führt durch einen verrußten Eingang mit einer dunkelrußigen Darstellung der Mutter Gottes. Der Altar ist auf der Höhe der Zeit: „Frieden“ steht darauf. Die derzeit einzig richtige Aufforderung. So nötig. Wir würden gerne ein Licht anzünden für die Menschen in der Ukraine. Aber es sind keine Kerzen da.

Hinter Hellefeld geht es über offene agrarische Landschaft, die Sonne leuchtet warm: Schal ab, Windjacke aus. Ein superschöner langer Pfad über entwaldete Hügel und einige Fichten und Buchen, die strubbelig über dem Weg liegen, beendet die Tour.

 

 

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