Überirdisch!

Von Gerald (Text) und Martin* (Fotos) – Wenn das Tageslicht für nur etwas mehr als acht Stunden reicht und der Wetterbericht einen weiteren Traumtag im Breisgau verspricht, ja dann kann es sein, dass selbst Langschläfer mal früh aus den Federn springen müssen, um den Sonnenaufgang auf einem Berg zu erleben. Nicht irgendeiner, nein, der Feldberg soll es sein. Also der mit 1493 Metern höchste Mittelgebirgsgipfel, der eine gigantische Schau auf den Alpenkamm verspricht.

Martin und Silke aus Gresgen sind mit von der Partie, als Hilde und ich den Feiertag der Heiligen Drei Könige in Baden Württemberg für unseren Ausflug zu früher Morgenstunde nutzen. Noch steht der Vollmondhoch am Himmel und taucht die Landschaft in ein fahles Licht, als wir unsere halbstündige Autofahrt beginnen. Stirnlampen brauchen wir also nicht mitzunehmen und die Schneeschuhe auch nicht. Der Orkan hier am letzten Samstag, verbunden mit heftigem Regen und starkem Temperaturanstieg, hat die 80 Zentimeter hohe Schneedecke selbst am Feldberg radikal dahinschmelzen lassen.

Wir laufen genau auf den Mond zu

Um halb acht kurven wir auf den Parkplatz am Feldberger Hof (ca. 1300 m), von wo wir in einer halben Stunde am Rand der Skipiste auf den kleineren Zwillingsgipfel, den Seebuck (1448 m), schlendern können. Wir laufen genau auf den Mond zu, der jetzt wie ein dickes Flutlicht vor uns direkt neben dem Feldbergturm auf dem weißen Hang liegt. Die Silhouette einer Gruppe von Schneeschuhwanderern zeichnet sich vor der makellos runden Silberkugel ab. In unserem Rücken färbt sich der Morgenhimmel bereits von Gelb bis Tiefrot. Dunst liegt wie so oft als Wattedecke im Schweizer Mittelland und im Hegau Richtung Bodensee.

Mehr als 500 Kilometer Alpenbogen zu unseren Füßen!

Dahinter erhebt sich die Parade der Alpen, die mit jedem Schritt nach oben vollständiger herüber grüßt. Fast unwirklich nah erscheinen die Bergriesen des Berner Oberlandes. Dabei sind sie ja immerhin 150 km entfernt. Bis zum Bismarck-Denkmal am Seebuck ist es wirklich nur ein Katzensprung, aber der belohnt uns mit einem kompletten Alpenpanorama wie noch nie – beginnend mit dem steilen Zahn der Zugspitze ganz links, noch hinter den Allgäuer Bergen. Sie ist 250 Kilometer Luftlinie entfernt, genauso wie der Mont Blanc, von dem sogar deutlich Felsstrukturen zu erkennen sind. Macht zusammen also rund 500 Kilometer Alpenbogen zu unseren Füßen! 

Schlag 8 spuckt die Seilbahn die ersten Skifahrer aus

Hilde und Silke haben heißen Tee ausgepackt. Wir bestimmen ein paar markante Zapfen. Der Säntis im Osten, dessen Gipfellinie wie mit flüssigem Gold übergossen scheint, ist ein solcher Punkt. Dann Vrenelis Gärtli, vor deren Zackengrat die Flugzeuge im Minutentakt zum Flughafen Zürich abtauchen. Die Steilwand des Titlis hinterm Vierwaldstätter See, deren Gipfelstation Martin mit seinem sensationellen 200-fachen Zoom heranholen kann. Wetterhorn und Schreckhorn, dann das zerrissene Finsteraarhorn, gefolgt vom Dreigestirn Eiger, Mönch und Jungfrau. Es schlägt 8 Uhr, als die Seilbahn noch vor dem Sonnenaufgang die ersten Skifahrer auf dem Seebuck ausspuckt. Eine unwirkliche Szene. Aber wir müssen die Störung als Tribut für die gute Erreichbarkeit des Feldbergs akzeptieren.

Wohin nur das Objektiv richten?

Jetzt weiß Martin gar nicht, wohin er sein Objektiv zuerst richten soll. Auf den Flieger, der scheinbar auf dem Mond landen will. Oder auf den ersten roten Sonnenstrahl auf dem Gipfeleis des Mont Blanc – oder auf die gleißenden Wölkchen im Osten, die den nun bevorstehenden Sonnenaufgang verkünden. Es ist 8 Uhr 16, als die Sonne direkt wie ein Spot hinter dem Säntis auftaucht. Gleich gnadenlos grell und schwer zu fotografieren. Die weißen Schneekristalle färben sich goldrot und beginnen zu funkeln. Die Sonne hat den Wettstreit mit dem Mond gewonnen, der sich nun müde im Westen hinter den Vogesengipfel zur Ruhe legt.

Es war ein großartiges Schauspiel, das sich uns geboten hat. Die Mühen hielten sich in Grenzen. Und gelernt haben wir nebenbei auch noch etwas: Während der Sonnenaufgang Anfang Januar bei 8.16 Uhr noch lange fest klebt, verschiebt sich der Sonnenuntergang bereits seit
Monatsbeginn jeden Tag um eine Minute nach hinten. Folge: Die Nachmittage sind bis Ende Januar rund 40 Minuten länger, die Morgende lediglich 20 Minuten. Wir werden jede einzelne davon genießen!

Gerald_80x80

* Kraus (leider kein Bild)

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2 Kommentare zu “Überirdisch!

  1. Sind Sie sicher, dass das die Zugspitze ist und nicht der Hochvogel (2595m) im Allgäu?

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