Spargel? Gleich um die Ecke

Das Schöne am Ruhrgebiet: den frischesten Spargel bekommt man gleich um die Ecke direkt vom Erzeuger. Und wo die Schlenderer den holen, „das schauen wir uns jetzt einmal an” (tut mir leid, aber den Standardsatz von Restauranttester Christian Rach finde ich einfach klasse). Ein Vorposten der Spargelmetropole Waltrop-Oberwiese findet sich an der Stadtgrenze zu Dortmund in Castrop-Rauxel-Frohlinde.
Seit 2008 betreiben Spargelbauer Jodokus Niermann und seine Frau Renata samt einigen fröhlichen Verkäuferinnen einen Bauernladen auf dem alten Hof Risse. Was gibt es hier? In erster Linie landwirtschaftliche Produkte im Direktverkauf: Fleisch, Milcherzeugnisse, Brot, Pumpernickel, Eier, Kartoffeln, Erdbeeren und Spargel. Produkte rund um Spargel (Kochschinken) und Erdbeere (Liköre, Sekt, Marmeladen etc.) von befreundeten Erzeugern ergänzen das Angebot.

Rhabarberkuchen im Innenhof

Ach ja, zum Wochenende gibt es Blechkuchen mit Rhabarber und Erdbeeren nach dem Windhund-Prinzip: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst oder muss vorbestellen. Im mit Kies ausgelegten Innenhof werden auch Kaffeetafeln für, zum Beispiel, Radfahrer-Gruppen ausgerichtet. Letztens fuhr eine ADFC-Gruppe erdenschwer zufrieden durchs Tor zurück. „Alle waren superzufrieden”, sagt Verkäuferin Karola, und das sind wir mit dem Spargel auch. Mega-superzufrieden sogar.

Frische, Frische, Frische!

Was den Niermann-Spargel ausmacht, sind drei Kriterien: Frische, Frische und nochmals Frische!

-lim ist der Hausname des Spargels

Die Sorten? – Fahren wir mit einem Kalauer fort: Stangenware, was sonst? Doch in dem Witz steckt ein bisschen Wahrheit. Alte Züchtungen wie Ruhm von Braunschweig, Eros oder Schwetzinger Meisterschuß sind selten geworden, die Holländer (vor allem das Unternehmen Limseeds) drücken dem Weltmarkt ihren Stempel auf. „Zu 90 Prozent aller Bauern bauen Gijnlim an”, sagt Jodokus Niermann, und weil diese niederländischen Züchtungen aus Limburg stammen, tragen sie als Endung – als Hausnamen, so Niermann, das -lim. Gijnlim ist der Standard, eine frühe Sorte mit dicken, geraden Stangen und hohen Erträgen, die späte Backlim füllt das Zeitfenster bis zum Johanni-Tag (24. Juni). „Kirschen rot, Spargel tot”, sagt der Volksmund.

Der Boden bestimmt den Geschmack

Und der Geschmack? Nicht globalisiert, wie man auf Grund der Vorherrschaft weniger Sorten vermuten könnte. Weinkenner werden es längst geahnt haben: „Der Geschmack liegt nicht an der Spargelsorte, sondern am Boden, auf dem er angebaut wird”, sagt der Oberwieser Landwirt. Im Jargon der Weintrinker heißt das „Terroir”, und wie beim Wein schmeckt man unterschiedliche Lagen (Böden) schon heraus. Niermanns bewirtschaften rund 9 Hektar eines nicht ganz leichten, weniger sandigen Bodens. „Dafür hält er länger Wasser”, sagt Jodokus Niermann.

Nicht zu Tode kochen!

Wenn ihr eine Handvoll dieses Spargels ins Kochwasser gleiten lasst, macht keinen Fehler! Erst gestochen, dann zu Tode gekocht ist das Schicksal vieler Stangen, und das haben sie nicht verdient. „Zwischen 5 und 15 Minuten”, sagt Renata Niermann, und das kommt auf die Art der Zubereitung und die Dicke der Stangen an. „Der eine mag es knackig, der andere eher weicher.” Man kann aber auch die Dicken mal nach 10, 12 Minuten testen, meinen die Schlenderer. Der Spargel dankt es mit Biss und gemüsiger Saftigkeit.
Spargelfelder können sieben bis acht Jahre gestochen werden, dann ist Feierabend, eine neue Fläche muss bepflanzt werden. Denn „Spargel auf Spargel in der Fruchtfolge geht gar nicht”, sagt Jodokus Niermann. Doch! Beim Essen. Und nehmen für den nächsten Tag gleich noch ein Kilo mit.

Die Niermanns im Netz

Die Öffnungszeiten in Frohlinde (In den Kämpen 6, 44577 Castrop-Rauxel) in der Spargel- und Erdbeersaison:  montags bis samstags 8-20 Uhr, sonntags und feiertags 9-19 Uhr

Der Hofrundgang:

 

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