Ein starkes Stück Heimat

Von Michael (Text) – Von dieser Ecke der Welt (Bild oben) war auf dieschlenderer.de schon mal die Rede und davon, wie gut es uns dort gefallen hat. Bald sind Franz und ich in Gresgen – und haben selbstverständlich Uli Merkles Wanderbuch im Rucksack. „Zum Himmel geht’s über Gresgen” ist die Blaupause für Wanderführer, wie JEDER Ort einen haben sollte.

Dann jedoch, befindet Uli, müsste man in jedem Ort auch einen finden, der es macht. „Es ist ziemlich schwer, plus-minus Null aus der Sache herauszukommen”, sagt Merkle, der das handliche Taschenformat im Selbstverlag herausbringt. Zum Wandern und zum Wanderbuchschreiben ist Uli Merkle gekommen wie die Jungfrau zum Kind, präziser gesagt, ist die ganze Sache ausgeschnapst worden im „Gässle” in Gresgen beim Wirtspaar Ursel und Hans-Dieter Hanke, bei dem Merkle und der Eichin Florian über einem Cordon bleu zusammengehockt haben. Jedenfalls hat der Flori dem Uli die Laus – mal ein paar Wanderungen ums 708 Meter hoch liegende Dorf aufschreiben – ins Ohr gesetzt, der wiederum geantwortet hat: „Ja, aber wer soll’s denn machen?” Dann hat der Flori dem Uli tief in die Augen geschaut…

„Alle Wege führen nach Gresgen, solange es bergan geht”

Wir wissen nicht, welche hypnotischen Fähigkeiten der Flori sonst noch hat, aber seine „Macht” über den Uli muss beträchtlich sein (wobei die Frage nicht uninteressant erscheint, ob der Flori das auch bei Frauen kann…). Nach zwei Jahren Wandern um und nach Gresgen, Recherchieren und Schreiben war das Buch im April 2014 fertig.

Gresgen_buch3 Alle Touren sind ausführlich beschrieben und kategorisiert (Ausgangspunkt, Schwierigkeitsgrad, Weglänge, Wanderzeit, Höhenmeter) sowie mit einer kleinen Karte versehen. Danach wusste auch der Nicht-Gresger Merkle: „Alle Wege führen nach Gresgen, solange es bergan geht.” Unser Wanderfreund und früherer Zeitungskollege Gerald, der jetzt in Gresgen lebt, sagt: „Am besten sind für mich die Touren mit Alpenblick. Also rauf auf die Höhe – oder mühelos in vier Kilometern rund um den Rümmelesbühl. Das ist ein echt nettes Schlender-Schmankerl, weil sich bei dem Weg im Uhrzeigersinn die Landschaften in alle Himmelsrichtungen öffnen.”

Hürus und Tannezözzelihonig

Das Buch ist überdies unterhaltsam, weil Uli Merkle Geschichten und Geschichtliches über die Region, seine Menschen, die alemannische Sprache, Einkehrtipps, die Natur sowie Anekdoten eingearbeitet hat. Ein „Tannenzäpfli” werden zur Not auch flüchtige Touristen bereits kennen: sehr gutes badisches Bier der Brauerei Rothaus, extraklasse in der Weizenbier-Variante. Was Tannezözzelihonig ist und wie man ihn herstellt, weiß der Uli auch: ein honigartiger Sirup aus den frühlingsfrischen Trieben der Rottanne.Gresgen_Buch2

Einen „Hürus” erklärt man am besten, wenn man den Uli mal neben dem Flori sieht: ein großer, wilder, mächtiger Mann, der weiters auch eine Rolle in der alemannischen Fasnacht in Zell im Wiesental spielt. Um Gresgen herum findet man den Badischen Regenwurm, der es auf eine Rekordlänge von 60 Zentimetern bringt, im Dorf Rotfüchse, die Gelbe Säcke inspizieren, die Sage vom Säutrieber (Gresgen hat eine dunkle Vergangenheit), jede Menge Gresger, aber keinen Gresgener.

„Die Menschen, die ihr Seele geben”

Bleibt noch zu klären, warum dieses Wanderbuch vorbildhaft ist. Weil es Ortsfremde in kurzer Zeit gegendkundig macht, weil es erklärt, warum die Gresger ihr Dorf lieben, weil es hilft, diese Menschen zu verstehen, weil es unterhaltsam und ein starkes Stück Wirtschaftsförderung ist, eine Leistung, für die es sonst Tourismusverbände braucht. Und weil Uli Merkle ein Herz für seine Heimat hat. „Es ist schlichtweg unsere schöne heimische Landschaft, ihre Menschen, die ihr Seele geben”, sagt er.

Wir sagen: Ihr da draußen, kauft sein Buch (weil der Uli doch die schwarze Null braucht, genau wie der Schäuble), und macht es nach, wenn euch etwas an eurer Heimat liegt.

Uli Merkle: Zum Himmel geht’s über Gresgen, 182 Seiten, Fotos von Klaus van den Eicken, erschienen im Selbstverlag, ISBN 978-3-00-044760-0, 14,90 Euro
*alle Fotos stammen aus dem Buch

Kommentar zu “Ein starkes Stück Heimat

  1. Lieber Michael,
    du hast Dich mit Deinen feinen Beobachtungen und subtilen Schilderungen mal wieder selbst übertroffen. “Ein schönes Stück Heimat” hätte wohl kaum ein Gresger treffender verfassen können. Wann meldest Du eigentlich Deinen zweiten Wohnsitz im Südschwarzwald an?
    Hilde

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