Ein dufter Monat

Von Franz (Fotos) und Michael (Text) – Man könnte sagen: 2020.05.13, 9.30 o‘clock European Plague Time (EPT) und wir dürfen offiziell wieder an die frische Luft. Dieses scheiß Virendings wird uns wohl noch eine ganze Weile auf den Senkel gehen. Aber gut. Rärin.
Rings um den kleinen, schönen Ort oberhalb von Herscheid duftet es. Die erste Mahd, das Gras ist gelegt und verströmt einen grünen, süßen Duft. Überhaupt Duft. Der Mai ist der Monat des Wohlgeruchs der Natur. Am Wegesrand steht würzige Knoblauchsrauke – die Saison des Bärlauchs ist vorbei -, im Buchenwald riecht es nussig durch die abgesprengten, trockenen Spelzen der Triebe, der Weißdorn spielt mit im Aromenwohlklang und in den Siedlungen der Flieder. Nicht zu vergessen der Waldmeister, der erst durch Zerreiben seinen Duft freigibt (hat allerdings mit dem Geruch des Waldmeisterwackelpeterpuddings nichts gemein, nur so).

Der herbe Dunst von Eselchen

In Alfrin mischt sich der herbe Dunst von Eselchen und Pferden unter die pflanzlichen Düfte. Wir trampeln alsbald die ersten Pfade rauf und runter und sind zufrieden mit uns und der Welt. #flattenthecurve wirkt, die Zahl der Covid19-Infektionen sinkt…
…dafür steigt die Kurve der Dummheit.

There is nothing left

Wir stellen hier mal die steile These auf, dass das Virus auch Gehirnregionen einiger deutscher Zeitgenossen zerlegt hat. Xavier Naidoo, der gescheiterte Journalist Ken Jebsen, Sido, der Rapper: Sie reden vor dem Hintergrund der Pandemie von Welt- und jüdischen Verschwörungen, Bill Gates habe die WHO gekauft und kapere Deutschland, und dergleichen Schwurbel mehr. Am Beispiel des Starkochs Attila Hildmann (ist im Kampf „für die Freiheit unseres Vaterlandes“, Spahn plant eine Diktatur, Christian Drosten ist ein „Virolüge“) zeigt sich offenbar, das vegane Ernährung gefährliche Auswirkungen auf die geistige Gesundheit hat. Auf sie alle passt ein Witz, der ursprünglich auf Donald Trumps Hirnschachtel gemünzt war: „In the left side there is nothing right, in the right side there is nothing left.“

Rostige Trecker-Karkassen

Franz jedenfalls weint dem strengen Corona-Lockdown in der Dortmunder City eine Träne hinterher. „War das schön ruhig“, seufzt er.
Ist es hier im grünen märkischen Sauerland aber auch. Wo wir hintreiben, ist mir manchmal nicht ganz klar. Kartenwart Franz führt uns jedenfalls bis an die Grenze der Zivilisation, größere Ortschaften betreten wir nicht. Mitten im Wald liegt ein Weiler aus alten Steinhäusern und Wirtschaftsgebäuden, teils zerfallen, darin hocken rostige Trecker-Karkassen, ein McCormick und ein Deutz. Uuuh! Manchmal gibt eine Lücke im Wald die Sicht auf das grüne Gewölle von Laubbäumen frei. Picknick auf der Wiese im Sicherheitsabstand, Austausch von Literatur-Tipps (Kent Haruf, Unserer Seelen bei Nacht), Sehnsucht nach dem Fußball und zwei Wünsche:
Heiland, schmeiß Hirn runter. Und ein Sieg am Samstag im Geister-Derby!

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