In Luise ihrer Hütte

Von Franz (Fotografie) und Michael (Text) – Das Erfreuliche vorweg: Ich kann zum ersten Mal das Pokalsieger-2017-T-Shirt, rabenschwarz mit verwegem gelben Aufdruck, überstreifen. Thx, jüpo-ihm-seine-Frau, die gleich zwei Dinger besorgt hat, für mich und Torjäger Bruno Aubameyang (8). Hrrmm, ich hoffe, Franz wird das Hemd unterwegs entsprechend in Szene setzen;-))

Ebenfalls erfreulich: Hier, in Binolen an der Reckenhöhle, waren wir schon mal, so dass ich mir die Beschreibung der ersten, sehr schönen Etappe bis Volkringhausen klemmen kann. Neu in dem Ort ist eine Baumelbank, wo man lang hängen lassen kann. Für Leute mit lange Fias, wie der Kärntner zu sagen pflegt. Ham wa alle drei, ich weniger, Martin und Franz umso länger.

Mascarpone-Quark mit Waldmeistersahne

Hinter Volkringhausen, Richtung Beckum, führt die Waldroute oberhalb der Straße entlang in das Melscheder Tal, das (aus unserer Sicht) vor dem Sorpesee liegt. Es ist ein breiter, langgestreckter, sehr ruhiger Kessel, dessen Einsamkeit man umso mehr schätzt, wenn man das geschwätzige und emsige Treiben von Langscheid an der Sorpe hinter sich lässt. Am oberen Talschluss liegt Schloss Melschede (Bilder hier), wir legen kurz davor einen U-Turn ein. Links und rechts des Weges waldmeistert es sehr, das Zeug schießt förmlich ins Kraut. Schnell eine Handvoll gepflückt, für Waldmeistersirup. Herrlich – jetzt verwende ich Franz’ Lieblingsvokabel auch mal: Mascarpone-Quark mit marinierten Erdbeeren, Katzenzungen und Waldmeistersahne-Topping! Weiter unten im Tal liegt die Melscheder Mühle in der Hitze dieses ersten Sommertages. Über den Mühlenteich flirren Blaue Pracht- und Plattbauchlibellen.

Das schwarzweiße Bild rast auf Putz

Hinter dem Berg oberhalb von Mellen liegt das Schloss Wocklum. Abermals lässt uns Martin, Tourguide des Tages, einen Haken schlagen, wir steuern die Luisenhütte Wocklum, unser Tagesziel, an. Nach lässigem und anspruchslosem Schlendern und Genießen der Natur gibt es da etwas zu gucken und zu lernen, neugierig sind wir allemal (Journalisten-Krankheit). Ja also, in der Luisenhütte wurde bis 1865, als die Konkurrenz der Hochöfen im Ruhrgebiet zu stark wurde, Eisen erzeugt, aus heutiger Sicht durch härteste Arbeit. Davon zeugt der Film “Der Feuerstrom des Eisens” von 1951, in dem die Produktionsweise der Luisenhütte mit großindustrieller Stahlerzeugung verglichen wird. Auf gewitteltem Wandputz flackert und rast das schwarzweiße Bild, unterlegt mit dramatischer Musik und dem Sprachduktus eines Luis-Trenker-Streifens. Auch die “Wochenschau” der 1930-er Jahre fällt uns ein, und: Leni Riefenstahl.

Ein Stück deutscher Industriegeschichte

Aber Scherz beiseite: Es ist schon beeindruckend, unter welchen Bedingungen in der Luisenhütte aus Holzkohle, Kalkstein und Erz Eisen erzeugt wurde. Vor der Ofenbrust sorgen Hitzestrahler und Lichtführung für eine halbwegs realistische Kulisse eines Roheisen-Abstiches ins Masselbett. Unter dem Strich: ein lohnenswerter Rundgang durch ein Stück deutscher Industriegeschichte, mit zahlreichen erhaltenen Relikten und multimedialen Techniken. Ein Highlight, unbedingt besichtigen!

Tipp: Festival “Luise heizt ein”

Aus gegebenem Anlass der Hinweis auf ein buntes Spektakel im Stil der “Nacht der Industriekultur” im Ruhrgebiet: Am 1. Juli 2017, ab 17 Uhr, findet das Kulturfestival “Luise heizt ein” auf dem Gelände des Erlebnismuseums statt. Die Veranstalter versprechen “stimmige Lichtkunst-Installationen, spektakuläre Theaterinszenierungen, feurige Musikeinlagen und phantasievolle Akrobatik. Der Eintritt ist frei.

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