Dicke Berta mit Schleife

Von Michael (Text) und Franz (Fotos) – Keine Angst, wir eröffnen hier keine Revanchismus-Debatte mit Frankreich, deren Sperrforts die kaiserliche Armee im 1. Weltkrieg mit dem 42-Zentimeter-Mörser aus den Krupp’schen Stahlschmieden – genannt Dicke Berta – unter Beschuss nahmen. Unsere Berta steht im westlichen Luerwald nahe Menden-Oesbern und ist so friedfertig wie die Schlenderer, das Portal für wandelnden Pazifismus (…wenn man sie nicht reizt).

Erst einmal aber haben wir herzlich gelacht. Bei der Durchfahrt des Ortes Voßwinkel, der sich selbst als „Dorf der schlauen Füchse” bezeichnet. Originell und mutig, das.

Das Lachen vergeht uns, als wir vom Parkplatz des Wildwaldes Voßwinkel aus loslaufen. Leute, so früh war der Sommer noch nie vorbei. Das Licht ist gebrochen, nicht mehr hart und kontrastreich, es riecht vergänglich wie Herbst und vor allem: Es ist kalt und rutschig wie Herbst, zumindest auf den nassen, glitschigen Holzbohlen, mit denen ein schmaler Trampelpfad (Wandermarken Dreieck + Kreis) entlang einer Wiese vor Oesbern ausgelegt ist. Da schnetztelt es dich schneller nieder als zu gucken kannst. Vom Europaplatz aus – was unserer bescheidener Meinung nach eine ziemlich hohe Bezeichnung für einen kleinen Wanderort ist – suchen wir den Weg zur Dicken Berta, der 50 bis 100 Meter weiter plötzlich nach rechts vom Hauptweg ins Unterholz abschwenkt (Franz hat den Abzweig im Bild dokumentiert). Wir sind auf unserer „Schleife” um Berta herum (siehe Karte/gpx-Datei unten).

Gerne hätten wir den Baum umarmt

Erstmal stehen wir demütig vor ihr. Ein mächtiger Stamm, der sich teilt und weit öffnet, eine imposante Erscheinung. Die ausladende Krone scheint gesund, aus dem unteren Stammbereich ragen tote Äste. Gerne hätten wir Berta mal umarmt – nicht, was ihr nun denkt: Wir sind keine Tree-Hugger -, um ihre Taille zu ermitteln, aber der Wurzelbereich ist abgezäunt. Leider fehlt auch eine Informationstafel, denn über so einen uralten Baum erfährt man doch gerne mehr. Wenn die Schätzungen, die im Netz kursieren, zutreffen, könnte die Dame aus dem späten Mittelalter stammen. Mal soll die Eiche 500, mal 675, mal 700 Jahre alt sein; mal ist es eine Sumpfeiche, mal eine Traubeneiche. Mal wird der Umfang mit dem Durchmesser verwechselt und Berta hätte einen Durchmesser von 5,74 Metern.

„700 Jahre alt? – Nicht ausgeschlossen”

Also fragen wir später einen Experten, der sich von Hause aus um alte und uralte Bäume kümmert. Christoph Hoheisel betreut beim Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) in Recklinghausen den Altbaum-Finder NRW, ein interessantes Projekt, mit dem das Wissen über das Vorkommen herausragender Uraltbäume gesichert und erweitert werden soll. Auch interessierte Bürger können sich an dem Altbaum-Finder beteiligen. „Wir hoffen, auf diese Weise noch den ein oder anderen Hinweis auf bisher ,unentdeckte’ Uraltbäume zu bekommen, denn selbst das Zusammentragen von existierenden Hinweisen aus Landschaftsplänen oder Verordnungen stellt eine aufwändige Sisyphusarbeit dar”, sagt Hoheisel. Nach seinen Angaben handelt es sich bei der „Dicken Berta” um so einen Fund, den ein anderer Altbaumfinder entdeckt und ins Portal eingestellt hat. Danach ist Berta eine Traubeneiche mit einem Stammumfang von 5,74 Metern und mit einem geschätzten Alter von 700 Jahren der älteste Baum im Märkischen Kreis. Seit 1974 wird der Baum, der auch Donneneiche genannt wird, vom Kreis als Naturdenkmal ausgewiesen.

Aus der Schleife in die Umlaufbahn

Ist Berta wirklich so ein Methusalem? „Vom Bauchgefühl erscheint mir die Altersschätzung von 700 Jahren als etwas hoch gegriffen – aber nicht ausgeschlossen. Auf dem Foto sieht es so aus, als wäre der Aufwuchs rund um die Eiche gezielt entfernt worden, um sie gegenüber der Konkurrenz zu schützen”, sagt Christoph Hoheisel. Also: Wer Berta näher oder jemanden kennt, der mehr weiß, her mit den Informationen!

Aus der kleinen Schleife befördert uns die Gravitation Bertas in eine Umlaufbahn um den Wildwald Voßwinkel und zu unserem Ausgangspunkt zurück.

PS: Wir gehen natürlich nicht nur Bäume gucken. Aus gegebenem Anlass (Herbstbeginn;-)) haben wir gelegentlich das untere Unterholz inspiziert, wir ihr nachfolgend sehen könnt.

Franz_Michael_klein

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