Einmal Hohe und einmal Halber

Einmal Hohe und einmal Halber machen rund 35 Kilometer und 700 Höhenmeter, die Du mit dem Bike steigen musst hinauf zur Hohen Bracht, hinab ins Jammertal und dann wieder hoch nach Halberbracht.
Es ist am Karfreitag, dem Tag an dem der Herr am Kreuze stirbt, wohl angemessen, sich auch selbstsolidarisch ein wenig zu quälen. Biken steht auf dem Programm. Single, das versteht sich in Zeiten des Corona-Virus. Gelegenheit, nebenbei auch einen neuen Radsensor und eine App zu testen.

Vor Bilstein Anlauf, es wird ernst

Erster Höhepunkt der Tour mit Start in der Hometown aka Elspe: Die Kalkwerkbrücke über die Lenne hinter Theten. Der Steg ist schmal und mittendrin steht auch noch ein Pfeiler, um den Du herumbalancieren musst. Mangelnder Regen hat den Fluss zur Diät gezwungen, ebenso die Veischede in Grevenbrück, die alsbald in die Lenne mündet.
Bis kurz vor Bilstein ist Anlauf, dann wird es ernst. Linkslinksrechts geht es in den Wald und hoch zum Pass zwischen Altenhundem und Bilstein, wo der Abzweig zur Hohen Bracht liegt. Nicht zu dick, nicht zu dünn der Gang, Schnauze halten und trampeln. Flatten the curve gilt auch hierbei: Wenn dem Kreislauf schon chemische Fesseln angelegt sind, sollte man auf die Herzfrequenz achten. Eine Querfeldein-Passage mit dem Bike am Arm wegen Baumfällarbeiten (Säcke, die: haben die Arbeit quer überm Weg liegen gelassen) treibt den Puls noch mal besonders.

Der Wald duftet

Trotz des blauen Himmels und des für April bemerkenswert warmen Wetters ist es ziemlich leer im Geplente, der Wald riecht, die ätherischen Öle und das Harz duften, irgendwie himbeerig. Hier und da lacht ein Grünspecht. Oben an der Hohen Bracht wird es belebter, nicht so doll; vermutlich auch, weil der Kreis Olpe gedroht hat, das Ausflugsziel über Ostern zu sperren. Was man von hier aus sehen kann: Der Herr hängt, zu diesem Zeitpunkt, noch nicht am Kreuz. Die Karikaturisten unter den Komikern verwehren dem Heiland sogar die Auferstehung aus seinem Grab, wg. Corona-Quarantäne und Kontaktsperre. Wir werden sehen (Lästerlichkeit: off).

Hinunter ins Jammertal

Der Biker, den ich am Turm getroffen habe, saust den Skihang unterhalb der Hohen Bracht hinunter. Ich genieße die Abfahrt auf der anderen Bergseite ins Altenhundemer Jammertal (heißt so), über die Rübergbrücke mit echt original ganz altem Katzenkopfpflaster, weshalb die Renovierung des einspurigen Bauwerks über die Hundem dem Vernehmen nach teuer werden soll.

Es fehlt: eine Tankanzeige für den Akku

Ach ja, der Sensor und ihm seine App. Cannondale/Garmin haben einen Bluetooth-Sensor auf den Markt gebracht; wird ins Rad appliziert und sendet seine Daten in die App auf deinem Handy. Tolle Optik, Tachometer zeigt Weg, Geschwindigkeit, Höhenmeter und verbrauchte Kalorien an, was allerdings fehlt, ist eine dringend nötige Tankanzeige für den Handy-Akku, wenn man mit ständig offener App fährt. Auf dem Anstieg über die Vogelwarte von A-Hundem nach H-Bracht schaltet das Mobiltelefon auf Reserve. Auch der alte, vorsichtshalber angeklemmte Tacho spinnt. Ärgerlich.
Noch ein Ach ja: Unterwegs meinen Haardesigner getroffen, gegenseitige Klage über die derzeitige Lage. Meine persönliche Corona-Bilanz bisher, toi, toi, toi: zu viele Haare, zu wenig Klopapier. Andere sind schlechter dran. Deshalb allen Betroffenen, Erkrankten von dieser Stelle aus: Gesundheit und alles Gute!

Kommentar zu “Einmal Hohe und einmal Halber

  1. Die Schreibe: genial
    Die Fotos: eindrucksvoll
    Michael, ich freue mich auf neue Beiträge.
    Gruß, Franz

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