Plötzlich grün!

Von Franz (Fotos) und Michael (Text) – Nein, nein, nein, halt! Die Titelzeile bezieht sich (noch) nicht auf den Zustand des politischen Deutschlands nach der Kürung von Annalena Baerbock zur ersten grünen Kanzlerinnenkandidatin. Aber dazu später mehr.
Wir starten mal wieder in Wennigloh, weil wir in der Gegend südlich von Arnsberg nach einer Kapelle suchen, die wir beim ersten Mal nicht gefunden haben. Erstmal staunen wir über den ersten lebenden Bewohner, den wir an diesem kalten Morgen zu Gesicht bekommen. Ein Hüne von Tier, langes schwarz-weißes Fell, Yeti? Eine Walliser Schwarzhalsziege mit 80 Zentimeter langen Hörnern. Mann!

Der höchste Gipfel: unsere Heimat

Franz hat ein sehr schönes Buch entdeckt, Acht Berge heißt es, und wer einen Abenteuerbericht à la Reinhold Messner im alpinen Stil erwartet, wird schön unterlaufen von Paolo Cognetti. Der Autor schildert als Erzähler das Leben seines Jugendfreundes, der hartnäckig in einem sterbenden italienischen Dorf versucht, den Bergen sein Leben, eine Familie und seinen Unterhalt abzuringen. Der Erzähler schweift in die Welt, nach Tibet, zu den großen Achttausendern, ohne sie zu besteigen, und begegnet einem alten Mann, der ihm das Gleichnis vom Sumeru erzählt. Es ist der Mittelpunkt der Welt, ein sehr hoher Berg; um ihn herum liegen acht Berge und acht Meere, die Welt, und alles kreist um die Frage: „Wer hat mehr gelernt? Derjenige, der alle acht Berge gesehen, oder derjenige, der den Gipfel des Sumeru bestiegen hat?“ Zweifellos eine Allegorie, die unser Tun sehr schön beleuchtet. Wir besteigen den höchsten Gipfel, unsere Heimat.

Waldbingelkraut und Wasserkelche

Genug Sozialromantik, hier oben ist es arschkalt und der Wind pfeift uns nur so um die Ohren. Im geschützten Wald wird es es besser, und wir entdecken Pflanzen wie das Waldbingelkraut oder Wasserkelche, deren Namen wir am Abend vermutlich wieder vergessen haben. Aber gut: Dann gibt es für uns wenigstens immer wieder etwas Neues zu entdecken…

400 Jahre alt, 33 Meter hoch

Auf der Route, die Franz ausgefuchst hat, gibt es sehr viele Pfade, ein lästiges Stück Straße, viele einsame Feuchtbiotope, und plötzlich: Grün! Wir entdecken eine Stelle im unbelaubten Buchenwald, die bereits zart begrünt ist, während 50 Meter weiter noch alles kahl ist. Überhaupt ist dieser Wald belassen wie ein Urwald, vermodernde Riesen liegen am Boden, an den Stämmen Moos, in denen der Sauerklee wohnt, die Wege selbstverständliche Pfade. Wenig später bewundern wir die Tiergarteneiche, rund 400 Jahre alt, 33 Meter hoch, 157 Zentimeter Stammdurchmesser. Franz steht davor und verdeutlicht die Wucht des Baumes. „Du bist so groß, und i nur a Zwerg“ (Ambros, Tauchen, Prokopetz: Der Watzmann ruft).

Armin und die Annalena

Irgendwie kommen wir in dem linden Grün doch noch auf Politik. Hat Annalena Baerbock Chancen Kanzlerin zu werden, wie sehen die Möglichkeiten des CDU-Kandidaten Laschet aus? Vorhersagen sind insbesondere schwierig, wenn sie die Zukunft betreffen. Trotzdem stellen wir uns das Bundestagswahllokal Burtscheid am 26. September vor und hören eine Stimme, die sagt: „Der kleine Armin an Wahlurne 2 möchte abgeholt werden, er hat seine Wählerinnen und Wähler verloren.“

Ein fantastischer Blick

Zur Rüdenburg-Ruine geht es steil bergauf, oben sieht man nur einen Haufen unordentlicher Steine; dafür ist der Blick auf die Stadt Arnsberg sehr ordentlich. Bis zur Kreuzkapelle, unserem Ziel ist es nicht mehr weit. Die Info hinter einem QR-Code weiß (wir schon vorher): Hier hat man einen „fantastischen Blick auf Arnsberg“. Vorwiegend Pfade führen uns zurück nach Wennigloh, gefühlte Hauptstadt der Windkraftgegner („Wir wollen keine Windräder!“).
Die Tour ist sehr zu empfehlen.

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