Mehr oder weniger Schnee

Von Franz (Fotos) und Michael (Text) – Wellin ist im Winter immer eine Bank. Schneesicher, einsam gelegen auf einem Hochplateau und nicht überlaufen wie Winterberg. An diesem kalten Donnerstag haben wir den Wald sogar nur für uns, sieht man mal von den übrigen Bewohnern ab.
Zwar ist die Landschaft nicht mehr so schön verschneit wie vor ein paar Tagen, als Franz schon mal hier war (ich glaube, er schummelt gleich einen Vorher-Nachher-Vergleich in die Bildergalerie).

Kühe mit schönen Augen

Unter uns knuspert der harsche Untergrund bei jedem Schritt und sehr bald erfreut uns ein Blick auf die Nordhelle in der nahen Ferne. Schöne knackig-vereiste Pfade, weite Ausblicke, schöne Kühe. Jawoll, schöne Kühe. Wir sind uns nicht ganz sicher, was für eine Rasse das ist. Franz tippt auf Limousin, ich auf Jersey-Rind, weil niedriger Rist. Sie sehen mit hellen Augenringen und langen Wimpern mädchenhaft aus, sogar die Bullen. Hat sich Göttervater Zeus damals der Königstochter Europa als Jersey-Rind genähert, um ihr schöne Augen zu machen?

Der Entzug von Beziehungen

Am Wanderheim Wiehardt des SGV Lüdenscheid legen wir ein frühes Teepäuschen ein und freuen uns, wieder mal zusammen draußen zu sein. Rausgehen werden wir/ich auch beibehalten, auch wenn jetzt schon von einem „Mega-Lockdown“ die Rede ist. Den ersten kann man auf eine kurze Formel bringen: zuwenig Klopapier, zuviel Haare. Jetzt, im zweiten Lockdown, sind es die zwischenmenschlichen Beziehungen, deren Fehlen sich zunehmend bemerkbar machen: keine Freundestreffen, kein Sportverein, kein Restaurantbesuch, keine Einkaufstouren, keine ordentlichen Beerdigungen geschweige denn Hochzeitsfeiern, etc.. Deprivation, ein Zustand des Entzuges und der Isolation nennt der Psychologe das, und es geht einem immer mehr auf den Senkel. Der Mensch ist ein soziales Tier, er braucht Nähe und Wärme. Hinzu kommt die Rat- und Hilfslosigkeit der Politik samt der echten Virologen (und der unechten 80 Millionen) angesichts der nach wie vor steigenden Ansteckungszahlen. Niemand hat einen Plan, so scheint es.

Haalands Wucht und Hoppes Tore

Doch es gibt auch Positives zu berichten. Schalke kann wieder gewinnen, und das freut auch uns als ausgewiesene BVB-Fans. Wer mehr als 30 Jahre oder noch länger (Franz) im Revier gelebt hat, weiß, wie Gelsenkirchener und Dortmunder ticken. Beide brauchen einander, können ohne einander nicht sein, Stichwort Derby, auch wenn Hassprediger auf Plattformen wie schwatzgelb ihre Schadenfreude über den Niedergang der Schalker auskotzen. Nichts würde Gelsenkirchen mehr voranbringen als der Gewinn der deutschen Meisterschaft und wisst ihr was: Wir würden es der Stadt und ihren Menschen aus vollem Herzen gönnen. Auf Haalands Wucht und Hoppes Tore!

Halbgefrorenes aus Morast und Schnee

Dann müssen wir einer breiten und tiefen Harvester/Rückefahrzeug-Spur folgen, der Untergrund halb angetaut, ein Semifreddo, ein Halbgefrorenes aus Morast und Schnee. „Kannste keinem empfehlen, diesen Weg“, meint Franz. Ich, heimlich: „Warum hast Du ihn dann ausgesucht?“ Aber wir wollen nicht moppern. Wenig später folgen wir der Fährte eines cleveren Hasen, der sich zickzack den leichtesten Weg durch Schnee und gerodete Bäume gesucht hat. Der Schnee liegt so hoch, dass sich die Gamaschen hier durchaus auszahlen. Und das da, diese wie hingesprühten Blutspritzer im Weiß? Ein Fuchs, so schließt Franz anhand des Trittsiegels, hat sich hier eine Maus geholt.
Wir sind zurück auf dem Welliner Plateau, genießen noch einmal die Rundum-Sicht, die Stille, den pastellblauen Himmel im Westen.

Anmerkung: Da die von uns gelaufene östliche Schleife über viele von Forstfahrzeugen malträtierte Wege führt, habe ich eine kürzere Alternative in outdooractive hinterlegt. Beide Touren sind hier zu sehen.

hier die kürzere Alternativroute:

 

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