Weichheit, Wucht und Wärme

…dann stand da noch bei Thomas Eickhoff eine Kiste im Weinkeller, die einer eingehenderer Betrachtung harrte. Ein nachträglicher Gruß des österreichischen Spitzenwinzers Christoph Salzl im Nachgang der Düsseldorfer ProWein-Messe. Zwei Weiße, vier Rote, eine machbare Aufgabe für fünf Weintrinker in einem kleinen, feinen Sauerländer Landgasthof, zumal Hausherr Thomas zur Begleitung ein exklusives Antipasti-Buffet bereitet hat.

Schraub, der erste Wein: ein 2015-er Grüner Veltliner. Ganz schön kräftig für einen Veltliner, sagt Thomas, Jau, 13% Alkohol machen den Wein cremig und würzig bei einem pfeffrigen Abgang.

Salzl3Wüsste man es nicht, könnte man auch auf einen Sauvignon tippen, sagt Carola. Genau, am Gaumen entwickelt sich auch Stachelbeerfrucht. Kein Zechwein, sondern ein Wein „für anspruchsvollere Gelage“ (Th.). Schon deutet sich an, was sich Flaschen später bewahrheiten wird: Die Weine des am Nationalpark Neusiedler See gelegenen Familienunternehmens zeichnen sich aus durch Wucht, Weichheit und Wärme sowie eine fülligere Interpretation der jeweiligen Rebsorten.

Dazu Austern, wegen der Salzigkeit

Ein kurzer Blick auf das (Biertrinker-)Land der 1000 Berge, dann widmen wir uns den Antipasti. Gebratene Zucchini, Auberginen und gehäutete Paprika, spanischer Jamon, mit Schafskäse gefüllte, getrocknete Tomaten, Oliven, Lachs mit Fenchel, serviert auf Omas altem Geschirr. salzl4Kräftige Aromen, denen der Chardonnay New Style 2013 Reserve locker Paroli bieten kann. Angemessener Einsatz von neuen und gebrauchten (50/50) kleinen Eichenfässern, im Glas erinnert er eher an einen französischen Top-Burgunder, weich, würzig und rund, salzige Mineralität und schon fallen die ersten Menüvorschläge: zu kräftigem hellen Fleisch oder Austern – „wegen der Salzigkeit“ (Th.) Später entfalten sich im Glas Anis-Aromen, der New Style riecht fast wie ein Fino-Sherry.

Preis-Leistungskracher: der Zweigelt

Mit einem Preis unter 10 Euro ist der erste Rote ein Preis-Leistungskracher: 2013-er Zweigelt Reserve, der Paraderebe des Weinguts. 18 Monate im Barrique, Schokolade, Mokka, Kirschfrucht, Röstaromen, Trockenpflaume, 13,5 Grad Alkohol, viel Schmelz, „lecker“ (Th.), „sehr gut“ (Matthew).

Salzl5Leider aber ein „Weihnachtswein“ in der Sommerzeit, wie auch die drei folgenden Rotweine. Zur Grand Cuvee 2013 steuern Zweigelt, Cabernet-Sauvignon und Merlot ihre Frucht bei, vielfältige Aromen mit präsenten Tanninen und „durch seine Säure wirkt er schlanker und kantiger“ (Th.), beerige Aromatik, langer Nachhall. Weichheit und Wärme senken sich langsam auch in unsere Beine, der Panoterra 2013 – eine Andeutung seiner Herkunft aus der Pannonischen Tiefebene, fordert uns mit 14 Prozent. „Stöhnen auf hohem Niveau“, merkt Thomas an. Die Cuvée (ZW, CS, M) lag 18 Monate im neuen Holz, tiefdunkles Rot,  ist zurückhaltend in der Nase, etwas Veilchen, am Gaumen Anis, Rösttöne, schlank und elegant, schon jetzt ein Genuss, aber durchaus noch entwicklungsfähig.

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Der Sacris ist das Hochamt des Abends

Der Sacris Premium 2012 – der Name leitet sich von SalzlCristoph ab -, ist das Hochamt dieses Verkostungsabends. 24 Monate im Eichenfass, 13,5 % Alkohol, zunächst Leder in der Nase, Kirsche, Cassis, Schokolade, Mokka, beerig-würzig, konzentrierte Zweigelt-Frucht, opulent, maulfüllend und man wünscht sich ein Schmorgericht mit Knoblauch und Rosmarin herbei (Th.) oder ein fettes Dry Aged Beef (M.) Im Echo der Aromen finden sich auch Fenchel und Anis, wiederum verbunden mit einer mineralischen Salzigkeit, die nicht von ungefähr kommt. Um den Seewinkelhof der Salzls herum finden sich zahlreiche Salzlacken, die der Erde und den Weinen ihre Prägung geben. Salzl, der Name ist auch Programm.

Bezugsquellen:
www.salzl.at
maluni-weine.de
www.ab-vinum.de, tel. 06083-312680

Michael_Autor

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