Vom Affen zum Ich und zurück

Von Franz (Fotografie) und Michael (Text) – Wer es noch nicht weiß: Der Neandertaler lebte auch im Sauerland (bitte jetzt keine Ähnlichkeitswitze)! Der Homo Neanderthalensis war einer der Zwischenschritte der menschlichen Evolution, der eine sehenswerte Ausstellung im Südsauerlandmuseum in Attendorn gewidmet ist.

Vom „Affen zum Ich“ oder niederländisch „Van Aap naar Ik“ will Antwort geben auf die Frage, woher wir kommen. Als Portal für politische Wanderbewegungen interessiert uns eigentlich mehr das Problem, wohin der weitere Weg uns führen wird. Schaut man aktuell auf die Belagerung und Zerbombung der syrischen Stadt Aleppo, auf die täglich neuen und absurden Forderungen der AfD zum Thema Flüchtlinge, auf die Hetze von Pegida und, hier im Sauerland, die Nazi-Parolen des „Dritten Wegs“, scheint sich die menschliche Entwicklung eher umzukehren in vorzivilisatorische Zeiten.

„Ein buschartiges Geflecht“

Aber genug davon, wir wollen ja auf unsere Vorfahren schauen. Einen „letztlich gültigen Stammbaum“ gibt es nach Ansicht der Forscher nicht, eher ein „buschartiges Geflecht“ von verwandtschaftlichen Beziehungen. Angefangen haben wir wie jeder, gaaanz klein. Der Ur-Menschenaffe lebte vor rund 55 Millionen Jahren und war ganze 7,1 cm groß und sah aus wie ein niedliches Klammeräffchen. Bei einer möglichen Größe heute von 2,00 m (Franz) hat sich der Mensch ordentlich gemausert.

„Urmutter“ Lucy vermutlich ein Mann

„Fast schon ein Mensch“ war der Ardipithecus, ein Bodenaffe, der vor 4,4 Millionen Jahren lebte. In unserem Stammbaum sitzt auch der Proconsul als Vorfahr der Menschenaffen und „Lucy“, die 1974 in Afar in Äthiopien ausgegraben wurde. Im Museum kann man eine Rekonstruktion ihres Skelettes sehen, das erste eines Australopithecus afarensis („Südaffe“), das gefunden wurde. Unsere „Urmutter“ ist Lucy offenbar nicht, denn später stellte sich heraus, dass die Skelettreste wahrscheinlich zu einem Männchen gehörten. Der Homo habilis aus der Oldovai-Schlucht in Tansania war ein begabter Werkzeugmacher, der offenbar schon Fleisch von Knochen trennen konnte.

„Unterhaltsam etwas lernen“

Probleme unserer Vorfahren sind übrigens heute noch virulent: Klimawandel und Auswanderungswelle. Letztere setzte vor rund 1,75 Millionen Jahren ein, als der Wechsel von Warm- und Kaltzeiten den Homo erectus zur Anpassung oder zur Flucht zwang.

Illustriert wird die Ausstellung mit echten Artefakten und Nachbildungen. Gezeigt werden Faustkeile, Querhobel, Speere, Pfeile und Solutréen, kleine Steinmesserchen. Große, dreidimensionale Figurenbilder, unter anderem mit Steinzeitmensch, Wollnashorn, Tarpan und Steppenbison, lockern die Schau auf. „So kann man anschaulich und unterhaltsam etwas lernen“, sagt Museumsleiterin Monika Löcken.

Neanderthaler-Fund in Trockenbrück

Ein Bindeglied zwischen Jetzt- und Steinzeit ist übrigens der Fund eines Faustkeiles im Sauerland, der dem Neanderthaler zugerechnet wird. „Eine echte Sensation“, sagt Monika Löcken. Der sogenannte Levallois-Kern  wurde von dem Heimatforscher Gilbert Schmelter auf einem Feld in Trockenbrück gefunden. Neanderthaler und der heutige Homo sapiens (der „verstehende Menschen“) haben eine Zeitlang nebeneinander gelebt und sich vermutlich auch miteinander vermischt. Was zeichnet sapiens gegenüber seinen Vorfahren aus? Er ist „äußerst intelligent und organisiert – meistens jedenfalls“, heißt es in der Ausstellung. Ach ja, und „der Mensch stammt nicht vom Affen ab, er ist einer!“

Öffnungszeiten des Museums

Franz_Michael_klein

 

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