Ein schmutziger Quickie

Von Michael (Text) und Franz (Fotografie) – Schmutzige Quickies sind so eine Sache. Wer noch Restbefunde von Anstand und Moral vorweisen kann, fühlt sich hinterher befleckt (sagt man;-). Uns erging es so nach einer schnellen Runde zwischendurch um Unnas Ortsteil Lünern im Osten der Stadt. Der Schmutz klebte jedoch nicht an unserem Gewissen, sondern an unseren Schuhen.

Wir haderten indes lange darüber ob es einen Sinn hat, euch solche schmucklosen Touren zu präsentieren. Zehn Kilometer über flache Pläne, wer geht das nach bzw. wen interessiert das? Was wir da gemacht haben, war reine Selbstbeschäftigung. Punkt. Muss man nicht gut finden (Resonanz erwünscht).

Gibt es wasserdichte Schreibblöcke?

Also jetzt: Wir parken in der Nähe der Kirche Lünerns mit einem flandrischen Schnitzaltar aus der Zeit um 1520, was wir aber in der Kürze der Zeit nicht überprüfen können, weil: Wir haben nach der Wanderung noch was vor. Aus dem Ort raus, übrigens ein echtes Dorf, und schon umfängt uns das Parfüm landadeliger Ausscheidungen, und zwar heftig. Es stürmt an diesem dunkelgrauen Januartag und der Starkwind reißt einem das Wort von den Lippen. Für uns ist das kein Problem, weil wir nicht von der schnatterhaften Seite des Lebens kommen. Der Wind drückt mit Kraft, hinter undichten Fenstern der Häuser in Nordlünern schlackern die Gardinen. Dazu hat es keinen starken, aber durchdringenden Niesel im Verein mit Sturmböen. Gibt’s ein Tu-Wort dazu, stürmen und nieseln – stieseln? Kurzes Nachdenken über wasserdichte Schreibblöcke…

Wir stie… stapfen trotzig weiter. Dem denkmalgeschützen Haus Dölberg (in privatem Besitz), einem ehemaligen Wasserschloss, wollten wir einen Blick gönnen, geht aber nicht. Stahlzaun- und alarmgesichert und von scharfen Hunden bewacht, glaubt man den Schildern. Auch eine Art von Denkmal-Schutz.

Eine ziemliche nasse Ecke

Hinter dem Ort legt das Stieseln einen Gang zu. Wir nehmen die Parade einer Reihe windgeneigter Kopfweiden ab und legen Regenhosen an. Franz gibt mir eine Zweithose. Fein, sie zwickt nur etwas unter den Achseln und unten muss ich circa 50 Zentimeter umschlagen. Gottseidank ist außer uns niemand unterwegs und sieht Pat und Patachon durch die Mocke der Uelzener Heide Schrägstrich Mühlhauser Mark eiern! Als Lebensraum mit Hecken, Gehölzen, Quellen, Bächen und stehenden Gewässern ist die Ecke sowieso immer nass. Gegenwärtig drückt das Wasser von unten und waagerecht von der Seite. Die Quase saugt sich an den Sohlen fest und gibt sie nur unter Gewaltanwendung schmatzend frei. Unser Kumpel Dirk, ein Kerl von einem Mann, den wir mitschleifen wollten, wäre hundertprozentig sofort bis zu den Knöcheln eingesackt.

Champion Tree mit dickem Bauch

Laubfrösche und Kammmolch, Rebhühner, Kiebitz, Wiesenpieper, Nachtigall und Dorngrasmücken haben sich bei dem ungemütlichen Wetter verzogen. Aber wir treffen auf den Champion Tree, eine gewaltige Platane, die der Reitergeneral Christoph Friedrich von Plettenberg (1698-1777) gepflanzt haben soll. Der Öllermann war mit einem Bauchumfang (7,12 m) kurze Zeit die dickste Platane von NRW, bevor ein übergewichtiger Konkurrent am Niederrhein ihn überholte. Gleich daneben wächst eine ebenso eindrucksvolle, mehrstämmige Blutbuche. Einen Steinwurf weiter treffen wir auf die Überreste der Gräfte von Haus Heyde. Die Felder ringsherum saufen ab. An der neuen Radtrasse treffen wir auf eine dunkle Gestalt mit Rucksack, die sich am ehemaligen Bahndamm herumdrückt. Landschaftswächter, einsamer Rentner mit Flachmann? Was sind dann wir?

Über viel Asphalt machen wir uns zurück nach Lünern. Ein Rotmilan lässt sich von der Windenergie nach oben tragen. Die Windräder rechter Hand auf dem Haarstrang haben viel zu tun und mahlen einen Haufen Luft weg.

Wir freuen uns auf den zweiten Teil unserer Tour, denn Franz und ich haben noch etwas vor.

Stay tuned!

Franz_Michael_klein

 

Die Tour wurde aufgezeichnet mit der App outdooractive:
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