Das Beste kommt zum Schluss

Von Michael (Text) und Franz (Fotos)

– Das Beste, das wissen wir seit der bewegenden Tragikomödie über das lange Sterben zweier Krebskranker (Jack Nicholson als Milliardär und Morgan Freeman als Schrauber), kommt zum Schluss. Nicht, dass die Schlenderer wie sie eine Liste letzter Wünsche (unbedingt noch zu laufender Touren) hätten – obwohl, Franz, warum haben wir sie nicht? -, aber als Ziel unserer herrlichen Aussichts-Reich-Wanderung (aka Mythenweg) in der Vorwoche hatten wir uns den Turm der St.-Alexander-Kirche in Schmallenberg, Kirchplatz 5, ausgesucht. Ein würdiger, und wie wir überraschend feststellten, ein passender Schlussakkord.

Der Turm steht von der Kirche selbst ein paar Meter entfernt und dieser Umstand wirft natürlich eine Frage auf: Warum ist das so? Nun, 1996 musste der Turm nach 1905 erneut abgerissen werden, weil er baufällig war. Im Jahr 2004 wurde der neue, 50 Meter hohe Monolith, der mit einer Passage mit dem eigentlichen Kirchenschiff verbunden ist, fertiggestellt.

„Der Streit polarisierte die Stadt”

Vorangegangen war eine erbitterte Diskussion, die nicht nur die St.-Alexander-Gemeinde in zwei Lager trennte: die der Erhalter, die den alten, baufälligen Turm renovieren wollten, und die der Neuerer, die für Abriss und Neubau plädierten. „Der Streit”, so erzählt uns ein Taxifahrer, „hat seinerzeit die ganze Stadt polarisiert.” Geschichte. Wer sich durchgesetzt hat, ist bekannt, und wenn wir dem Ergebnis und Erlebnis unseres Besuches vorgreifen wollen: Das ist auch gut so!

Der Turm strahlt eine ganz besondere Atmosphäre aus

Der außen mit belgischer Grauwacke verkleidete Betonturm strahlt innen eine ganz besondere Atmosphäre aus, die über eine einfache sakrale Ausstrahlung, wie man sie in fast jeder katholischen Kirche findet, weit hinausgeht. Verantwortlich dafür zeichnen Jochem Poensgen und der Schmallenberger Glaskünstler Martin Vollmert, der die Entwürfe des Soester Lichtarchitekten verwirklichte. Je nach Tageszeit fällt das Sonnenlicht von verschiedenen Seiten durch die unteren, schlanken Fenster ins Innere und wird orange, rot und blau gefärbt und erzeugt an den Wänden und auf dem Boden farbige Flächen und Reflexe. Die oberen Fenster sind wie Schießscharten konstruiert, nur mit dem schmalen Schlitz außen, und sorgen damit noch einmal für zusätzliche Farbschattierungen im Glas. Ach, Leute, schwer zu erklären, wie das funktioniert, schaut euch die wunderschöne Lichtführung doch selbst an:

 

Great place to be, great place to see!

Ein Ort für alle

Das moderne, rot und türkisfarbene Gestühl im Turminneren nimmt christliche Symbolik auf, ohne das Auge oder den Geist zu überfrachten.  Gibt es Kissen? Ja, sind an den Bänken mit Stahlseilen gesichert. Gibt es Kreuze? Sind uns bei dem herrlichen Licht nicht aufgefallen. Dieser schlichte Raum strahlt eine überirdische Ruhe aus, der sich durch den Verzicht auf traditionelle Ausstattung (Heiligenfiguren) öffnet für alle Menschen, gleich, welcher Religion sie angehören. Wenn die Planer, Erbauer und Künstler dies im Sinn hatten, gebührt ihnen dafür großes Lob: Der St.-Alexander-Turm ist ein Ort der Ruhe und Besinnung, ist ein Ort für alle.

Drei-Kirchen-Tour Berghausen-Wormbach-Schmallenberg

Der metallene Viertelstunden-Schlag der Glocke verhallt im Inneren, lebt als lange, hohe Schwingung fort, man fühlt die Gedanken förmlich arbeiten und wie zufällig stellt sich im Kopf die weite, schwingende Landschaft ein, die wir zuvor durchwandert haben.

Tipp: Unsere 22 Kilometer lange Aussichts-Reich-Wanderung lässt sich auch auf eine gehbarere Drei-Kirchen-Tour verkürzen: St. Cyriakus in Berghausen, St. Peter-und-Paul Wormbach und St. Alexander in Schmallenberg. Dabei aber immer dran denken: das Beste aufheben bis zum Schluss!

Franz_Autor Michael_Autor

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