Ein Ja zur Natur

Von Franz (Fotos) – Eine Kette von Naturschutzgebieten erstreckt sich in der Hohwachter Bucht in Schleswig-Holstein vom NSG Schmoel im Westen, über den Kleinen und Großen Binnensee bei Behrensdorf und den Sehlendorfer Binnensee östlich von Hohwacht, allesamt betreut vom NABU. Zu meinem Glück verbringen wir hier in dem besonders für die Vogelwelt bedeutenden Brut-, Nahrungs- und Rastgebiet unseren Urlaub. Über 120 Vogelarten lassen sich hier beobachten. Besonders angetan hat es mir das NSG Kleiner Binnensee in den Salzwiesen direkt bei Behrensdorf. Durch das Naturschutzgebiet führt ein idyllischeer Rad- und Wanderweg. Über hölzerne Stege kann man den naturbelassenen Strand erreichen. Hier sind Schutzzonen für die schönen Stranddünen und für das Brutgebiet  der seltenen Zwergseeschwalben und der Sandregenpfeifer abgesteckt.

Naturschutzgebiet von überregionaler Bedeutung

Wir wollen den Kleinen Binnensee beginnend am über 100 Jahre alten Leuchtturm Neuland umlaufen und nutzen am Leuchtturmtag die einmalige Gelegenheit, um einen Blick von oben auf die Küste und die angrenzenden Salzwiesen zu werfen. Oberhalb der umlaufenden Plattform drücken sich vier fast flügge junge Turmfalken in die Ecke eines Nistkastens. Mit langem Arm und kleiner Kamera fotografiere ich kurz in den Kasten. Hochlandrinder stehen im brackigen Wasser in der Nähe des Leuchtturms, andere beweiden die salzigen Wiesen, um eine Ausbreitung des Röhrrichts zu verhindern. Ein Kiebitz stakst durch den Matsch im Uferbereich eines kleineren Tümpels und lässt sich durch Wanderer und deren Fotoapparate überhaupt nicht beeindrucken. So nah kann man den ansonsten scheuen Vögeln woanders kaum kommen. Der schotterige Weg führt zwischen den Naturdünen und den Salzwiesen zum Kleinen Binnensee, der sowohl für hier brütende als auch für durchziehende oder überwinternde Vogelarten von überregionaler Bedeutung ist. Alpenstrandläufer, Lachmöwen und vereinzelt Sandregenpfeifer suchen im Schlick nach Nahrung. Am Strand ist in der Höhe des Binnensees ein Bereich abgezäunt. Hier können die stark gefährdeten Sandregenpfeifer und Zwergseeschwalben ungestört brüten. Wir laufen auf dem schönen Plankenweg auf der Düne mit tollem Blick auf beide Teile des Binnensees und den Strand. Aus dem Schilf klingt der schöne Gesang von Teich- und Schilfrohrsängern. Blufhänflinge lassen sich auf Sträuchern nieder und zeigen ihre rote Brust. Feldlerchen sitzen auf Zaunpfählen oder steigen trällernd in den Himmel auf. Und dann das!!! Mit dem Fernglas kann ich am südlichen Ufer des Binnensees rastende Kraniche entdecken. Ich freue mich diesen faszinierenden großen Vögeln bei der Umrundung des Sees näher zu kommen.

Informatives Gespräch

An einer Infotafel über das „NSG Kleiner Binnensee und angrenzende Salzwiesen“ spricht uns ein netter Mensch vom NABU Lütjenburg an und erklärt uns, dass ein Künstler die Pflanzen und Vögel auf den Infotafeln naturgetreu gemalt hat und dass aber leider die Farben im Laufe der Zeit verblichen seien. Wir bewundern die tollen Darstellungen und es entwickelt sich ein informatives Gespräch über die Arbeit des Nabu hier in den Naturschutzgebieten und über die Vielfalt an Pflanzen und Vögeln. Danke!

Am Hafen Lippe liegt das reetgedeckte Restaurant Klabautermann. Hhmm, der Fisch, wir essen Butt, ist echt lecker und der Platz oberhalb des Strandes genial. So eine schöne Wanderrast hat man nicht alle Tage. Östlich vom Hafen setzen wir uns noch an den Strand. Hier ist wieder ein Bereich für den Vogelschutz abgesperrt. Ein Sandregenpfeifer sitzt gut getarnt auf seinem Gelege zwischen den Kieseln. Von mir nur gefunden, weil der Partner oder die Partnerin mit trippelnden Schritten heranläuft und die beiden das Brutgeschäft tauschen.  Klar, warum hier gesperrt wurde. Unbedachte Strandgänger würden die Gelege gar nicht wahrnehmen und zertrampeln. Hier hat der Schutz der seltenen Vögel absoluten Vorrang. In einiger Distanz an der Hafenmündung kann ich noch die seltenen und stark bedrohten Zwergseeschwalben beobachten. Immer wieder fliegen sie auf und stürzen sich aus einer Höhe von 10m ins Wasser, um nach Fisch zu jagen. Zum Fotografieren leider zu weit entfernt.

Sehnsuchtsvögel

Dann machen wir uns auf den Rückweg, der uns zwischen dem Deich und einem riesigen gelben Gerstenfeld auf einem Wiesenweg zum südlichen Ende des Kleinen Binnensees führt. Jetzt sind wir den Kranichen schon deutlich näher. Versteckt hinter Schilf und auf einer kleinen Beobachtungsplattform fotografiere ich meine „Sehnsuchtsvögel“. Sie fressen Insekten auf der Wiese im Uferbereich. Zwischendurch fliegen einige Kraniche auf und drehen zum Großen Binnensee, ihrem Nachtlager, ab. Andere kommen gerade erst, fahren ihre langen Beine wie ein Fahrwerk aus und gesellen sich zu den anderen Vögeln, wie den zahlreichen Graugänsen. Ein Kranich trompetet mit langem Hals den typischen „Kranichgesang“, den ich schon oft während des Kranichzuges über unserem Ortsteil Hacheney in Dortmund gehört habe. Aber das ist jetzt natürlich schon eine andere „Nummer“. Total glücklich beenden wir unsere Wanderung, bei der wir kaum Kilometer „gefressen“ haben, aber die Natur so richtig in Ruhe genießen konnten.

P.S.: Die zahlreichen Vogelfotos veröffentliche ich in eigenen Fotostrecken. Ich habe mich auf ein paar Fotos beschränkt, für die Beschreibung dieser naturkundlichen Runde wären es sonst einfach zu viele geworden. Informationen zu den Naturschutzgebieten sind hier zu finden:https://www.nabu-luetjenburg.de/wer-wir-sind/naturschutzgebiete/

 

 

 

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