Wo ich jetzt gerne wäre…

Von Dorothe (Fotografie) und Michael (Text) – Samstag, Sturmböen umtosen deine Bude, Du kannst nicht so, wie Du gerne möchtest (wandern, rumstrolchen). Aber wozu haben wir die Phantasie, die uns wie ein gutes Pferd über die Erde tragen kann. Sie bringt uns im Handumdrehen auf die sonnige Terrasse von Schloss Bürgeln, zu – wir kommen eher vom Profanen her -, frischem Weißbier und hausgemachten Kuchen…

Bürgeln, so hätte es unser Kärntner Bergfreund Sigi treffend formuliert, „is a Kraftplatz, a ganz a gewaltiger Ort”. Der von uns hochgeschätzte Autor Wolfgang Abel schreibt in seiner Hommage an seine Heimat: „Bürgeln ist frischer Sommerwind, der durch die Linden vor der Westfassade rauscht, ist Himmelsnähe und überwältigender Blick von Terrassen, die es im Markgräflerland nur einmal gibt. Schloss Bürgeln ist kein imperialer Klotz, aber ein Platz, wo Gravität und Leichtes zugleich anklingen.” Wer dem Himmel so nah war, verlässt den Ort mit einem Gefühl von Erhabenheit, frohgemut und leichten Schrittes.

„Nai, was cha ma seh!”

Für jene Menschen, die die Magie des Ortes kennen, wäre mit den obigen Zitaten alles gesagt, für die anderen holen wir ein wenig weiter aus. Das Gebäude in frühklassizistischem und Rokoko-Stil liegt 665 Meter hoch auf einem der Ausläufer des Hochblauen oberhalb des Örtchens Obereggenen. Die Höhe unterstellt: Hier hast Du einen unvergleichlichen Blick, den der Heimatdichter Johann Peter Hebel in diese Verse fasste: „Z’Bürglen uf der Höh‘, nai, was cha ma seh! Oh wie wechsle Berg und Tal, Land un Wasser überall z’Bürglen uf der Höh‘!”

Glasnost auf Markgräfler Art

Lange Jahre lag dieses Kleinod hinter ungezügeltem Baumwuchs versteckt, nochmals etliche Jahre im neuen Jahrtausend dauerte es, bis sich die Schlossherren entschlossen (welch programmatischer Begriff in diesem Zusammenhang), die wie „eine Festung verwaltete” (Abel, a.a.O.) Anlage der breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Seit einigen Jahren können Wanderer, Besucher, Gäste, Interessierte, einen Blick hinter die Schlossmauern werfen, auch außerhalb streng festgelegter Besuchszeiten die Rosengärten an der Südseite und die weitläufige Terrasse mit ihrer Freitreppe begehen, dem Blick über die Rheinebene Auslauf gestatten bis zum Horizont, ohne auf verschlossene Türen oder Verbotsschilder zu stoßen. Glasnost auf Markgräfler Art.

„Gefühlsverstärker Bürgeln”

Drinnen, im Hauptgebäude mit seinen 56 Rokokozimmern, waren wir trotz unserer häufigen Bürgeln-Besuche noch nicht; mit derben Wanderstiefeln an den Füßen ist die Hemmschwelle zu einem Rundgang durch diese Schatzkammer immer noch hoch. Was nicht ist, kann aber noch werden. Hat mit der Offenheit auf Schloss Bürgeln ja auch gedauert…

* In seinem Buch „Markgräflerland. Streifzüge zwischen Weinweg und Weinstraße” hat Wolfgang Abel dem Schloss Bürgeln und seiner Geschichte ein längeres, sehr interessantes Kapitel gewidmet: „Gefühlsverstärker Bürgeln”. Nicht nur deshalb eine empfehlenswerte Lektüre!
Oaseverlag, 23 Euro

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