Doppelte Tragödie in einem Bild

Von Franz (Fotos) und Michael (Text) – Mann, Franz, Markus, long time no see! Ich habe sogar den Buch-Titel und die Autorin des sorgfältig eingepackten Geburtstagsgeschenks für Franz vergessen und der war im Juni. Wechselseitige Malaisen, Urlaube, und, so glaube ich, ein neues, noch unerforschtes Phänomen haben unsere gemeinsame Touren verhindert.
Joah, jetzt sind wir wieder unterwegs in Oeventrop, ab Bahnhof geht es gleich in die Berge. Eine unserer zahlreichen Wanderungen führte uns schon vor Jahren hierher in den Arnsberger Wald. Allerdings stand er damals noch. Dürresommer und Kalamitätenkäfer haben nun staubige Wüsteneien entstehen lassen. Den Hinweis oberhalb des Arnsberger Ortsteils, „Totenweg“ (von Oeventrop nach Arnsberg 1858), nehmen wir deshalb für bare Münze. „Passt ja zur Umgebung“, meint Franz, der sich zu allem Unglück einige Tage zuvor auch noch eine Dokumentation über die schwindenden Wasserreserven in Deutschland angeschaut hat. „So entsetzlich“, sagt er. Joah, als Pessimist und Bedenkenträger, wie Franz einer ist, ist es nachgerade unbedingte Pflicht, sich Untergangsszenarien reinzuziehen.

Früchte fallen, unausgereift

Aber ernsthaft: Überall finden sich Anzeichen, dass unsere Region auf andauernde Dürrejahre nicht ausgerichtet ist. Auf den Obstwiesen fallen Zwetschgen und Äpfel vorzeitig, unausgereift, vom Stamm, Brombeeren und Himbeeren bleiben grün, hart oder verdorren aus Wassermangel an den Ranken; was phänologisch noch niemandem aufgefallen ist (außer uns): Es schießt bislang kein einziger Pilz aus den ausgetrockneten Bodenschichten der Wälder empor. Nicht. Ein. Einziger. Das mag für den Sammler von Steinpilz, Marone und Pfifferling oberflächlich verschmerzbar sein, der Wald jedoch ist auf die zersetzende Wirkung der organischen Materie durch die Pilze angewiesen. Pilze halten den Nährstoffkreislauf unserer Wälder in Gang. Was ist mit dem Mycel im Waldboden? Kann es bereits dauerhaft geschädigt sein?

Schöne Pfade, ja doch

Oben auf den Höhen schwenken wir in schöne Pfade ein, hohes Gras kitzelt unsere Waden, und daran gibt es nichts zu moppern, bis man wieder verwüstete Flächen passiert. „Die Schmalenau-Quelle ist ein besonderes Highlight der Tour“, sagt Franz, indes: Wir finden sie nicht, der Weg ist verkrautet, der Lauf vertrocknet und vermutlich stehen wir mittendrin. Wieder so eine vom Borkenkäfer abgemähte Waldfläche. Deshalb fällt uns ein Holzkreuz ins Auge, das in der heutigen Zeit für eine doppelte Tragödie steht. Aktuell für den vernichteten Wald und seit 1944 für drei junge Kampfflieger, die mit ihrem Nachtjäger Messerschmidt Bf 110 in den Dinscheder Wald abgestürzt sind.

Scheiß Über-Alter

Kommen wir also zu dem eingangs erwähnten Phänomen. Hörverluste auf dem rechten Ohr, nachlassende Feinkoordination, Kurzatmigkeit, selbst die überschaubaren Anstiege ziehen einem die Kraft aus dem Leib, kein Hering auf einem Teller muss mich fürchten (außer mit Messer und Gabel). Vermutlich Long-Covid lautet die ärztliche Diagnose. Nee, Long-Age, stichelt Franz. Wenn schon, Franz, dann müsste es Over-Age heißen, Über-Alter wie die kritisierten Übergewinne der Energie-Unternehmen. Nur. Wo fängt so was genau an?

 

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