360°-Kino

Von Dorothe (Fotos) und Michael (Text) – Wenn man eine Tour unternimmt und darüber schreibt, muss eine Schlagzeile her; das war in Zeitungstagen so und ist in Wanderblog-Zeiten nicht anders. Der Titel zu dieser Wanderung auf die Nockspitz im Südtiroler Schnalstal ergab sich erst später, dafür mit umso eindeutigerem Nachdruck. Das ist 360°-Kino vom Feinsten, wir auf 2700 Metern Höhe, umkesselt von massigen Dreitausendern, Berge, wohin Du auch blickst.

Als wir früh am Morgen vom Parkplatz in Unser Frau in Schnals in den Steig Nr. 15 biegen, haben wir von der Wucht, die uns erwartet, nicht den Hauch einer Ahnung. Also rätselt Du erst einmal über den Kern genau dieser Tour, was macht sie aus, was macht sie mit uns? Es ist frischkalt, schmale 11°, und wir sind froh, auf der sonnigen Seite zur Gfaltrina (1933 m) emporzusteigen. Also „sunny side up”, um einen Begriff aus dem US-amerikanischen Frühstück zu entlehnen (ist’n Spiegelei)? Geben wir dem Tag eine Chance, auf Griffigeres zu kommen.

Ein Sieg der Zähigkeit und des Willens

Es geht gleich steil zu. Warum haben wir eigentlich Bleischuhe an statt Wanderstiefel? Ein Bursche mit iPhone-Knöpfen im Ohr zieht mit der Spritzigkeit und Unangestrengtheit der Jugend vor uns her. Bei uns ist es eher ein Hochstemmen und -wuchten, ein Sieg des Willens und der Zähigkeit über das unwillige Fleisch. Unsere Tochter, die das Autofahren in kurvigen Regionen nicht verträgt, hat eine „Vomacur” (auch Moser-Knurr genannt wegen der Nebenwirkungen, u.a. auch Müdigkeit) genommen und wandelt halbschlafend hinter uns her. Den Blick auf den Vernagt-Stausee, von oben ein smaragdgrünes Juwel, verpassen wir. Dazu muss man auf den kleinen Vorgipfel auf 2400 Meter Höhe steigen, ein etwa zwei Meter hohes Steinmandl weist darauf hin. Im Vergleich zu der Aussicht, die uns keine Stunde später geboten wird, ist das nur was für Runtergucker (hier nachzuholen).

Das Berghotel hängt wie ein Nest in der Wand

Auf der Nockspitz haben wir an sauguaten Blick, an panoramischen! Eine tiefe Einsicht ins Schnalstal mit dem Skiort Kurzras (2011 m) und so viele Gipfel, dass wir sie anhand der Wanderkarte sortieren müssen: Weißkugel (3739 m), Grawand (3251 m) mit dem hochgelegenen gleichnamigen Berghotel, das wie ein Nest am Gipfel hängt, Fineilspitze (3516 m) mit der nahe gelegenen Fundstelle des „Ötzis” am Tisenjoch, Similaun (3606 m) und die gegenüberliegende Faulwand (3416 m), um die zu nennen, die man sicher zu erkennen glaubt, der Wilde Hut (2912 m) über Unsere Frau in Schnals, Mastaun-Spitze (3200 m), Wiegen-Spitze (3109 m) und Vermoispitze (2929 m) hinter uns. Einfach überwältigend!

„So ist es richtig!”

Wir rasten, angemessen beeindruckt, am Gipfel, rufen einem Wanderer mit Flachmann zu: „So ist es richtig!”, worauf er bereitwillig einen Schluck anbietet. Ölig, sehr weich, eine gute Marille. Wir bedanken uns und machen uns auf dem Steig 17A in den Abstieg ins Mastauntal.

Satte Wasserschleier und ein Bilderbuch-Almtal

Der tiefgrüne Talgrund ist schon etwas mehr bevölkert als die Nockspitze. Von Unser Frau in Schnals auf 1620 Metern lässt es sich auch mit kleinen Kindern bequem zur Mastaunalm (1810 m) hochwandern. Familien und Paare lümmeln im Gras am gurgelnden Mastaunbach, aus den steilen Felswänden stürzen satte Wasserschleier herunter. Marillenkuchen, Topfenschnitte und ein Weißbier für sagenhafte 5,40 Euro! Aber hier sein zu dürfen nach einer überwältigenden Tour, in diesem Bilderbuch-Almtal mit diesem Ausblick, dafür ist das Weizen den Preis wert, jeden Cent. Und wir bestellen noch eins.

Doro_80x80 Michael_Autor

 

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