Extrem-Schlendern am Matterhorn

Von Gerald (Text und Fotos) – Ich sollte also am Samstag aufs Matterhorn steigen! Und ich bin zweimal umgefallen. Bis dato haben dies in diesem Jahr ganze 20 Seilschaften geschafft, laut Bergführerbüro! Uih! Und zweitens: Mein Bergführer Dan ist noch nie auf dem M. gewesen – zwei Novizen also. Uih!
Dummerweise habe ich dann noch das Buch des Hüttenwarts und Hüters des Matterhorns, Kurt Lauber, mit den schlimmsten Unfällen gelesen – und wusste genau Bescheid, als wir um 4 Uhr morgens das Basecamp auf 2800 Höhenmetern mit seinen futuristischen, silbernen Alu-Zelten verließen.

Ein senkrechtes Wändchen

Zermatt war weich von einer Wolkendecke wie Watte eingehüllt, auf die der abnehmende Mond schien. Im Schein der Stirnlampe kam der erste Prüfstein gleich am Einstieg hinter der wegen Bauarbeiten geschlossenen Hörnlihütte auf 3200 Höhenmetern. Ein senkrechtes Wändchen. Soll niemand denken, das Matterhorn ist ein Spaziergang. Danach wurde es dann aber doch relativ leicht.
Erster bis zweiter Schwierigkeitsgrad bis zum Sonnenaufgang um sieben Uhr auf 3800 Metern. Leichter als gedacht. Steigeisen an. Weiter. Aber dann. Eine senkrechte Felsplatte im vierten Grad führt zu der Nothütte auf 4000 Metern, vierter Schwierigkeitsgrad mit Steigeisen an den Füßen! Entsprechend zerschrammt sieht der Fels aus.
Hinter der Hütte ein weiteres Wändchen. Dann nur noch dritter Grad. Aber überhängende, bröselige Felsbrocken drohen von oben. Hier müssen mal zwei Bergsteiger übel zugerichtet worden sein. Nicht weiter nachdenken, sondern weiter klettern.

Ein Schneefeld ins bodenlose Nichts

Nach der Besteigung des roten Turms kommt man schon zur Gipfelschulter, das ist ein äußerst steiles Schneefeld, das zu zwei Seiten ins bodenlose Nichts abfällt. Hier darf man sich wirklich keinen Ausrutscher leisten. Man ahnt schon, wie es weitergeht: Das Gipfeldach bäumt sich gnadenlos senkrecht über einem auf. Auch wenn hier heute über 100 Meter Fixseile hängen, an denen man sich wie früher an den Tauen der Turnhalle hochhangelt, da braucht man noch ordentlich Saft in den Armen. Alle Achtung vor den Erstbesteigern vor 149 Jahren, die diese Hilfe nicht hatten!

Einfach steil, dieses Matterhorn!

Endlich lehnte sich der Gipfelaufbau etwas zurück. Man sieht noch eine makabre schwarze Puppe über sich und denkt schon an eine Mumie, doch es ist nur der Heilige Bernhard, der einen am Schweizer Gipfel begrüßt, weil das Kreuz des Matterhorns auf der italienischen Seite steht. Über einen fußbreiten Wächtensteg ist man nach sechs Stunden also wirklich oben und genießt die Vogelperspektive zum Mont Blanc, zum Monte Rosa, zur Mischabelgruppe, zum Piemont, aber nicht zum Wandfuß. Das Matterhorn ist einfach zu steil.
Sechs Stunden dauert es auch nochmal nach unten, weil man sich auf keinem Meter einen Fehler erlauben darf. Die meisten der inzwischen 500 Opfer am Berg wurden auf dem Abstieg in den Tod gerissen.

Das ist keine Schlendertour!

Dann ist natürlich die letzte Seilbahn am Schwarzsee weg – und man läuft einfach immer nur weiter, bis man 3000 Höhenmeter tiefer bei einbrechender Dunkelheit in Zermatt ankommt. Das ist definitiv keine Schlendertour!

PS: Selten hat man sich so über ein Wannenbad gefreut!

Gerald_80x80

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