Alles so schön grün hier

Von Franz (Fotos) und Michael (Text) – Alles so schön grün hier, saftig-, linden-, resedagrüner als im Sauerland. Die Natur ist hier sieben, acht Tage voraus. Und: keine kranken Fichten. Ja gut, das Ruhrgebiet – hier Lütgendortmund unterhalb der Zeche Zollern – ist auch nicht für dichten Nadelbaumbewuchs bekannt.
Franz hat eine Tour durch den Dellwiger Wald über die Halde Zollern ausgefuchst. Über die Halde Zollern bin ich gefühlt zig Mal gegangen ohne zu wissen, dass sie so heißt. Am Treffpunkt, dem Parkplatz beim Schloss Dellwig, bestaunen wir erst einmal Dutzende von dicken, fetten, grauen Weinbergschnecken, alle auf einem kleinen Areal. Manche schleimen die glatten Stämme der Bäume hoch, verlieren dieses Höhenrennen aber klar gegen die leichtfüßigeren Schnirkelschnecken. Man muss nur mal intensiv nach unten, dann nach oben gucken, um diese Aktivitäten zu registrieren.

Industrienatur trifft es

Weiter zur Halde Zollern. Ganz hinten im Dellwiger Wald führt eine ausgewaschene Holztreppe zur 15 Meter hohen Halde hinauf. Dass wir den Abraum der nahen Zeche Zollern II/IV, heute ein tolles Montanmuseum, unter unseren Füßen haben, sieht man heute kaum mehr. Hauptsächlich die sehr begnügsame Birke, ein Pionierbaum, hat sich den kargen Schutthaufen erobert. Schmale Pfade führen durch dichte Brombeerverhaue, Buntspechte nisten, der Salbei-Gamander wächst hier, unten sickert der Dellwiger Bach. Industrienatur ist ein sehr passender Begriff für diese aufgelassene Ecke, und wer sich hier nicht auskennt, kann Marc fragen, einen Kletterfreund von Franz, den wir zufällig treffen und der nahe der Zeche ein Haus gekauft hat und öfter mit seiner Hündin unterwegs ist.

Wieder ins Grün

Nach einer Schleife unter der Emschertalbahn-Brücke her tauchen wir an der anderen Seite der Gleise wieder in eine grüne Röhre ein. An einem sumpfigen Teich – es riecht nach Schwefel und Vergänglichkeit – wächst Schachtelhalm. Vielleicht entsteht in einer Million Jahre hier neue Steinkohle und die CO2-Diskussion entbrennt aufs Neue (Lästermodus).

„Wie pfadig es doch hier ist”

Über die B235 und den Boothill von Bövinghausen hinweg Richtung Bochumer Ölbachtal und Franz wundert sich. „Wie pfadig man doch im Ruhrgebiet wandern kann.“ Manchmal sind die Pfade so eng und so dicht bewachsen, dass man sich vorkommt wie der Vietcong auf dem Ho-Tschi-Min-Pfad. Als wir nahe der Halde Lothringen aus dem Dickicht treten, weitet sich der Blick. Blaugrün erstrecken sich die Kornfelder bis zum Horizont, manche (Kartoffel-) Äcker scheinen grafisch arrangiert, mit präzise geformten Erd-Trapezen. Das Korn wurde übrigens büschelig und mit Abstand gesät, damit die Feldlerche Brutmöglichkeiten dazwischen findet. Zu verdanken vermutlich Bio-Bauer Dirk Liedmann und seinem Hof in Holte-Kreta, ebenso wie der extra breite Blühstreifen am Ackerrand.

Bald spielt Fischkreuz beim TuS

Am Rain entlang geht es parallel zum Rauhen Holz in die Nähe großer Fußballgeschichte. Oberligist Hellweg Lütgendortmund hatte hier seinen Rasenplatz, mittlerweile hebt Wurzelwerk den Strafraum an und er wird, glaube ich, nicht mehr benutzt. Alten Lütgendortmundern sagen die Namen von Ecki Eigenwillig, Klaus Heimann, Peter Tomaschweski, Jürgen „Lasche“ Gelhaus, Uwe Neuhaus, Reinhold Mathes und Hannes Andree noch etwas. Jungen Bövinghausenern dagegen eher der Name Kevin Großkreuz. „Fischkreuz“, so der Netz-Nickname des früheren BVB-Profis, hat beim örtlichen Verbandsligisten TuS Bövinghausen angeheuert, an dessen Platz wir vorbeimüssen zu unserem Startpunkt am Wasserschloss Dellwig. Jo, war schön, die Tour.

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