Wieder in der bunten Kirche

Von Franz (Fotos) und Michael (Text) – Wenn es trüb ist an einem Wandertag und der Himmel wie von einem Rauchschleier bedeckt, dann fährt am am besten zu Orten, die etwas Farbe versprechen: zur Bonte Kerk nach Lieberhausen.
Komisch, Franz meint, hier waren wir schon mal, vor viereinhalb Jahren; ist mir aber „nicht mehr erinnerlich“ (Copyright Helmut Kohl). Jedenfalls war Lieberhausen noch nie Startpunkt einer unserer Wanderungen.

Gelb, Grün, Siena, Ocker

Zur Kirche selbst: die Bunte oder Bonte Kerke gehört den Lutherschen Dickköppen, was den fehlenden katholischen Prunk im Inneren erklärt. Die evangelische Kirche wurde erstmals 1050 erwähnt als Kapelle in Liefburgahuson, die Ausmalung erfolgte vor und nach der Reformation 1586, und wir zitieren, „so daß hier – einzigartig im Rheinland – Bilder aus vor- und nachreformatorischer Zeit nebeneinander zu finden sind“. Das enge, schlichte, grüne Chorgestühl ist modern mit einem orangefarbenen Stoff gepolstert, an den Wänden und Bögen finden sich mittelalterliche Bibeldarstellungen in dezenten Farben, es dominieren die Töne Gelb, Grün, Siena und Ocker. Hier wird es nie mehr als 16 Grad warm oder kalt, weil sonst Gebäude und Inneneinrichtung leiden würden. Wer es wärmer haben will, muss zur Hölle fahren, harhar!

Ampelleute, das ist ja gar nichts!

Während wir zur Agger runterlaufen, resümieren wir als Portal für bewanderte Politikbetrachtung die bisherigen Koalitionsverhandlungen der Ampelparteien. Das ist ja gar nichts, was bisher dabei herauskam. Keine Konzepte, kein „wie“ machen wir das konkret (Klima retten) und vor allem keine Antwort auf die Frage: Wo nehmen wir das Geld dafür her. Als Tiger gesprungen, als Bettvorleger gelandet, und sie feiern sich auch noch wegen ihres vertraulichen Verhandlungsstils. Mann, Schnauze halten bei solchen Projekten ist selbstverständlich, und nur ein schlechtes Beispiel dazu: 2012 verhandelte eine Zeitungsgruppe aus dem Ruhrgebiet mindestens sechs Monate streng geheim mit konkurrierenden Verlagen, um ihnen lokale Inhalte in den jeweiligen Städten abzukaufen. Als das sichergestellt war, feuerte sie eine ganze Belegschaft und machte ihrer eigenen Westfälischen Rundschau den redaktionellen Garaus. Auch bei schlechtem Wetter verlangen wir von der Politik mehr als Schönrednerei.

Die Welt, weich gezeichnet

Feuchter Nebel hat sich auf unseren Brillen niedergeschlagen, ein natürlicher Weichzeichner, der der Welt die Schärfe nimmt. Zwei aufragende, morsche Stämme fesseln unsere Aufmerksamkeit. Einer ragt zerklüftet wie die Seitentürme des Kölner Doms in den regenfeuchten Himmel. Abgeholzte Flächen – Borkenkäfer! – mit einigen Überhältern sehen im Nebel mystisch aus wie Mittelerde. Unter einem toten Wald taucht der Genkelsee auf, wie die Agger erheblich im Wasserstand abgesenkt. Dunkelgrau wie glanzloses Metall liegt die Wasseroberfläche, eingefasst von Baumsäumen in dezenter Herbstgarderobe, eine Anmutung wie ein norwegischer Fjord oder eine Bucht auf Vancouver Island.

Auch von unten gründlich nass

Dann ein Wurmloch, das wir fast verpasst hätten. Es ist ein matschiger Pfad, nass und eng; wenig später müssen wir uns den Weg durch einen wüsten Verhau aus toten, von Stürmen abgebrochenen Fichten bahnen. Jetzt werden wir auch von unten gründlich nass. Hallooo, da ist noch jemand bei diesem fiesen Wetter unterwegs. „Wer geht denn bei so einem Wetter wandern?“ ruft Franz der vorschriftsmäßig mit Regenkleidung abgedichteten jungen Frau zu. Sie, nicht minder schlagfertig, entgegnet: „Das frage ich mich auch!“ Wir. Und es ist gut, dass wir auch bei schlechter Witterung den Hintern hochkriegen.

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