Einfach mal raus

Von Michael (Text) und Franz (Fotografie) – Einfach mal raus, wenn die Sonne lacht: Für uns ist das eine leichte Übung, dank der Freiheiten, die unsere Arbeitgeber (u.a. Stingl, Nürnberg) uns großzügig gewähren. Also gehen wir bei hochangenehmen 18 Grad Celsius mitten im März und mitten in der Woche einfach mal rein, in den Arnsberger Wald.

Wären wir beim Fernsehen, würde vermutlich jetzt die Regie bellen: „Sag dem verdammten Texter, irony is over, und das schon seit mindestens zwölf Jahren! Der versenkt die Quote ins Unterirdische.” Ist ja schon gut. Und wir versichern ohne einen Funken Ironie, dass wir den Beruf, den wir angefangen hatten, lieber ordentlich zu Ende gebracht hätten.

„Alpine Kehren”

Entgangene Zeiten, deshalb stehen wir jetzt in einem Industriegebiet in Meschede-Freienohl unterhalb des Küppels (423 m) und gucken hoch zu dessen Aussichtsturm. Hatten wir bei der Tourplanung nicht auf dem Schirm, obwohl die erste Inkarnation des Turms erstmals 1932 errichtet wurde. Also hoch über „alpine Kehren”, wie Franz staunt (Anmerkung: Der schönste Teil der Strecke, weil sie aus dem Bilderbuch der Wegedesigner entsprungen ist – ein schmaler Steig. Ansonsten scheint der Hochsauerländer den Staatsforst gern auf breiten Fahrstraßen zu erkunden).

Das Sauerland feingestaffelt im Dunst

Der Küppelturm selbst ist eine solide Holzkonstruktion mit verbauter Aussicht (häßlicher Antennenspargel) nach Süden hin. Auch die Turmspitze trägt so etwas wie eine Antenne, die ausschaut wie eine Monstranz (für Nicht-Katholiken: meist strahlenförmig gestalteter goldener Behälter für den Leib Christi, i.e. Hostie). Aus dem Ruhrtal schallt Straßenlärm herauf, allerdings nicht mehr in jener Intensität, als die Verkehrsströme durch das chronisch überlastete Freienohl gelenkt wurden und nicht über die A 46. Nach Norden hin erstreckt sich der Arnsberger Wald bzw. die Reste, die Kyrill hat stehen lassen, und – tiefe Ruhe. Die Höhenzüge des Sauerlandes liegen fein gestaffelt im warmen Dunst. Wir lassen die Aussicht auf uns wirken und staksen die Holzstufen im Spreizschritt vorsichtig auf den Absätzen hinunter. Vom menschlichen Maß (Verhältnis von Stufentiefe und -höhe) und unserer Schuhgröße (47 aufwärts) hatten die Erbauer keinen Schimmer.

Die Schweißtropfen sprießen mit den Blüten um die Wette

Hatten wir schon was gesagt zur Ausrüstung an milden Frühlingstagen? Der Lorenz lacht, die winddichte Softshell-Jacke von O. wird gleich in den Rucksack gestopft, ein Funktionsshirt der Firma A. und ein leichtes, langärmeliges Wanderhemd des Ausrüsters S. reichen völlig aus, die Wanderhose von N. wird bis zu den Waden hochgekrempelt. Trotzdem sprießen die Schweißtropfen auf der Stirn mit den gelben Knöpfen des Huflattichs am Wegesrand um die Wette.

Das Wetter stimmt, aber, wie gesagt: Das ist Staatsforst hier und drückt sich durch bürokratische Weggestaltung und -führung (in erster Linie breit) aus. Von „Wilden Welten im WaldMeer”, so der offizielle Slogan des Naturparks Arnsberger Wald, ist hier nichts zu spüren. Wir vermuten mal ganz frech, dass der innovative Tourismusexperte Thomas Weber von Sauerland-Tourismus in Schmallenberg und seine Combo hier ihre Fantasie NICHT ausleben dürfen. Schade. Ein paar Bänke wären auch nicht schlecht und jetzt ist genug gemoppert.

Ppingg! macht die Mail im Wald

Wir freuen uns an den kleinen Dingen des Tages, den Huflattichblüten, den Zitronenfaltern, Admiralen und Kleine Füchsen, die uns begleiten und an den unfassbaren 18 Grad, mehr als bei dieser Tour ein Jahr zuvor. Die Natur erwacht, keine Frage. War das nicht ein Feldschwirl gerade? Franz linst mit der Lumix. Beim Rasten auf einer rückenlehnenlosen, arg vergammelten Plastikbank kündigt das Handy mit einem Ppingg! eine Mail unseres früheren Chefs an. Neuigkeiten von unserem Alt-Verlag. Aufregen? Lass ma. Zufrieden mümmeln wir Kekse in der Sonne.

Unten im Tal schlagen wir eine kleine Volte zur Ruhr, die sich hier nach einem Umweg wg. Kraftwerks mit dem fast antriebslosen Altarm trifft. Auf dem Ruhrradweg (müssen wir unbedingt mal machen!) trödeln wir zurück, an der ehemaligen Yachtbaufirma Dehler vorbei. Wieder sone Firmengeschichte, die ungut endete, kennen wir aus eigener Erfahrung…

Franz_Michael_klein

 

Die Wanderung wurde aufgezeichnet mit der Kompass-App und mit Media-Tours-Maps nachbearbeitet:

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