Übern See, in die Saugasse

Von Michael – Eigentlich sollte diese Geschichte mehrere Kapitel haben, aber im Leben kommt manchmal alles anders als geplant. Aber dazu später mehr. Vom Königssee bei Berchtesgaden bis zu den Drei Zinnen in Südtirol, zu Fuß über die Alpen: Ein ehrgeiziges Wanderprojekt, zu dem sich fünf geschmeidige Marschkörper im besten Mannesalter und ein alter Sack (ich) voller Vorfreude aufgemacht haben.
So stehen Jan, Becks, Fabi, Sebi und ich, alle vom SSV Elspe, an einem sonnigen Sonntagmorgen auf dem Parkplatz am Königssee und warten auf Karin, unsere Führerin von Alpine Welten. Ein freudiges Hallo, „ihr habt eine gewaltig schöne Tour vor euch!“, und schon hat sie uns am Haken, respektive unsere Rucksäcke an einer Federwaage. „12 Kilo, mmh, zuviel“, meint sie. Meiner ist mit 8 Kilogramm und zwei Litern Wasser in Ordnung, der ein oder andere lässt noch überflüssige Ausrüstung im Wagen zurück. Mit Ive und Dirk, die zu unserer Gruppe stoßen, fahren wir im Elektroboot, vollgestopft mit anderen Touristen, über den türkisfarbenen Königssee.

Ein Witz nach dem anderem versinkt lautlos im Königssee

Mein Gott, dieser Fremdenführer! Er reißt ein Witzchen nach dem anderen, von denen die meisten lautlos im Kielwasser des Bootes ertrinken. Stets vier, fünf Gags in einer Erklärung, und es gehen auch noch mehr. „Du springst als König in den See (kalt) und steigst als Prinzessin wieder heraus…“ Mit bedächtigen 8 km/h entfernt sich das Boot vom Ort des Kalauers. Beeindruckend wäre die Ostwand des Watzmannes, unter der wir den See queren. „Aber er, er hat si eing‘hüllt“, wie es im Rustical „Der Watzmann ruft“ von Ambros, Tauchen, Prokopetz heißt. „Groß und mächtig, schicksalsträchtig, um seinen Gipfel jagen, Nebelschwaden.“ – Unbedingt mal anhören!

„Nur“ die Saugasse hoch

Gottseidank müssen wir nicht wie der Bub aufi, sondern „nur“ die Saugasse hoch. Karin checkt am Ufer von St. Bartholomä – Traumkulisse! – noch einmal unsere Rucksäcke und richtet sie auf möglichst geringe Belastung und Tragekomfort ein. Dann geht es zum Einstieg in die Wand.
Am Fuß einer schmalen Schlucht zeigt Karin schließlich nach oben: „Das da ist die Saugass.“ Ach du Scheiße! 36 Kehren lang windet sich der felsige Steig in einer von steilen Felswänden begrenzten Rinne nach oben. Links, rechts, links, rechts, immer weiter, immer weiter, wie Olli Kahn an dieser Stelle sagen würde. Wie eine 16-beinige bunte Wanderraupe mit nochmals 16 Stecken spuren wir unserem Tagesziel entgegen. Wir sind nicht die einzige Gruppe: In der Saugasse ist ein Betrieb wie an der Lhotse-Flanke im Mai.

Am Kältepol

Dann, endlich. Ein gelber Wegweiser verkündet: „Kärlingerhaus 15 Minuten“. Die DAV-Hütte liegt ein Stück oberhalb des berühmten Funtensees, dem „Kältepol“ Deutschlands, der nach mehreren Dürrejahren nur noch eine mickrige Lacke ist. Dahinter liegt eine Brennhütte für den Enzianschnaps. Hinten im Talschluß ragt über dem Steinernen Meer der Feldkogel auf, eine schroffe Spitze, rechts neben dem Kärlingerhaus der Viehkogel. Es ist kühl und diesig und das Steinerne Meer sieht aus wie frisch beschneit.

Eine schöne Zeit, genau!

Bei einer Halben auf der Hüttenterrasse fragt Karin unsere Ziele der Woche ab. Ich bin 66 und wenn ich es jetzt nicht mache… später kommt früher als man denkt. Die anderen suchen die sportliche Herausforderung, wollen die phänomenale Landschaft genießen. Und natürlich eine schöne Zeit. Genau damit fangen wir an diesem Abend erfolgreich auch an.

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