Wer den großen, lichten Ausstellungsraum im Kulturbahnhof Grevenbrück betritt, wird sofort von einer zunächst unerklärlichen Beschwingtheit und Leichtigkeit erfasst; sie geht aus von der Leuchtkraft und den sanften Pastellfarben der Bilder des Grevenbrücker Malers Hermann Broermann (1908-1995). Zum 30. Todesjahr ehrt die Stadt Lennestadt ihren Künstler mit der Gedenkausstellung „Landschaften – Blumen – Porträts“.
Genauer gesagt ist es der Heimatverein Grevenbrück, der die Ausstellung mit Gilla Stracke-Henke organisiert hat. Dazu später mehr.
Wer in Elspe und Umgebung groß geworden ist, ist in seiner Jugend mit sehr großer Sicherheit an einigen Werken Broermanns vorbeigegangen. Sie schmückten seinerzeit die Schaufenster des Modegeschäftes Broermann, das gegenüber der Grevenbrücker Schützenhalle lag. In zahleichen Privathaushalten hängen Bilder von Broermann, oft Porträts des Familiennachwuchses, sogar in einem kleinen Gasthof in der Umgebung stößt man auf eines seiner impressionistisch geprägten Aquarelle.
„Er hatte nie Eile”
Wer vermeint, beim Betrachten der Bilder erspüre er den Menschen Hermann Broermann, liegt so falsch nicht. „Er hatte nie Eile und eine sanfte, freundliche Stimme“, sagte die Kreisheimatpflegerin Susanne Falk, die am Sonntag (23. Nov.) in Vertretung der Kulturhistorikerin Dr. Jenny Graf-Bicher die Ansprache zur Eröffnung hielt. „Er ist immer schon von der genauen Naturbeobachtung ausgegangen. In einer Übersetzung aus eigener Sprache in Linien, Flächen, Farben, angeordnet auf einer kleinen weißen Fläche.“
Maler der Vier Jahreszeiten
Oft saß der Maler an der Veischede, die direkt hinter seinem Haus vorbeifloss, spätere Bilder entstanden nach Reisen in südliche Länder. Gezeigt werden im Kulturbahnhof Ölgemälde, Rötelzeichnungen und natürlich Aquarelle, die Broermann einmal den Ruf als Maler der Vier Jahreszeiten einbrachte.
Broermanns künstlerische Sprache ließe sich charakterisieren als Kunst des Weglassens, sagte Falke. Bei Blumen finde man keine botanischen Finessen, bei Porträts keine präzise Physiognomie. „Und doch vermitteln sie einen lebhaften Eindruck von dem Gegenüber, das der Maler ins Visier genommen hat.“ Für seine jugendlichen Kinder Max und Christa Broermann veranstaltete er Gesprächsrunden über Kunst und Literatur, einen „Salon“, wie es Susanne Falk sagte.
„Dicke Mappen mit Bildern“
Eine entscheidende Rolle in der Vorbereitung der Gedenkausstellung spielte die Grevenbrückerin Gisela Stracke-Henke. „Gilla“, wie sie nur genannt wird, ist seit Kindesbeinen an mit Broermanns Tochter Christa befreundet. Sie managte den Verbleib der Bilder aus Broermanns Nachlass, als die Tochter ernsthaft erkrankte. „Christa hatte in ihrer Wohnung dicke Mappen mit Bildern ihres Vaters“, erzählt Gisela Stracke-Henke. Einige sind nun vorerst dauerhafte Leihgabe an den Heimatverein Grevenbrück. Unter der tatkräftigen Hilfe des Heimatvereins – „so etwas macht man nicht in einem halben Tag“, erzählt Niki Vogt, Mitglied im Vorstandsteam, – wurden die Bilder aus dem Stadtarchiv geholt, gerahmt und aufgehängt.
Die Ausstellung lohnt sich
Wer sich von der Leichtigkeit der Bilder Broermanns überzeugen will, hat dazu noch bis zum 11. Januar 2026 Zeit. Die Ausstellung kann sonntags von 16-21 Uhr im Kulturbahnhof besichtigt werden, auch zu den Öffnungszeiten des Restaurants Ess-Bahnhof (www.essbahnhof-lennestadt.de) Lohnt sich!

- Der alte Bahnhof wurde umgebaut in einen Ort der Kultur.
- Olgemälde, Rötel-Zeichnungen und natürlich Aquarelle von Hermann Broermann sind zu sehen.
- Kreisheimatpflegerin Susanne Falk würdigte den Maler Broermann.
- Musikalische Untermalung von Michael Nathen.
- Die Kulturhistorikerin Dr. Jenny Graf-Bicher sollte eigentlich die Ansprache halten, musste aber stimmlich passen; hier zusammen mit Hubertus Kaiser und Dr. Klaus Skrodolies vom Heimatverein.
- Gisela Stracke-Henke hatte großen Anteil an der Verweirklichung der Ausstellung.
- Rötel-Zeichnungen, Ölgemälde und Aquarelle, Beispiel der Werke von Hermann Broermann.




















