Museum Heimatstube: Ein Kurztrip in die Vergangenheit

„Ja, genau, daran erinnere ich mich auch“, sagt eine Besucherin des Museums „Heimatstube“ in Schönholthausen, während sie in der Ausstellung umherstreift. Genau, wie die älteren unter uns (wie ich), die sich an einem verschneiten Sonntag auf einen Kurztrip in die Vergangenheit machen.
Die Museumswärter, ähm, sind allerdings junge Burschen: Martin Stamm (26) und Frederik Siebert (27), die ihre Freizeit für ihre Passion opfern. Beide kenne ich irgendwie, aber woher?

„Genug alte Bügeleisen”

Das alte Fachwerkhaus unterhalb der Kirche ist eng, vollgestellt mit Exponaten, die seit 1992 gesammelt und wieder hergerichtet wurden. Ja, räumt Martin ein, manchmal auch mit Krempel, der nach Omas oder Opas Tod im Keller gefunden und in der Heimatstube abgeliefert wurde. „Zu viele Noten“, wie Kaiser Joseph II. nach der Uraufführung von Mozarts „Entführung aus dem Serail“ bemängeln würde. „Alte Bügeleisen haben wir genug“, grinst Martin. Die Ausstellung auf 260 Quadratmetern ist ein Work in Progress, soll noch gestrafft werden ( Bild links: Meinolf Klute vom Heimatverein).

Kriegervereinsmütze

So schweift der Blick über eine Fülle alter Dinge, Werkzeuge, Einrichtungen und Gerätschaften, die einen Blick auf das dörfliche Handwerk und das heimische Brauchtum gestatten. Martin zeigt mir eine alte, originale Mütze, bestimmt über hundert Jahre alt. Mützen, wie sie die Mitglieder der Kriegervereine seinerzeit trugen, die nach den Napoleonischen Kriegen entstanden. „Alles, was Du hier siehst, stammt aus Schönholthausen“, sagt Martin.

Jack aus den USA

Eine Küche mit Kohleherd ist zu sehen, kannte ich auch noch, der Herd wurde mit Briketts und Eierkohle geheizt, ein altes Schlafzimmer, eine Schusterwerkstatt, eine Schmiede, ein Schulzimmer, eine Arztpraxis und viele Dinge mehr. Im Obergeschoss widmet sich eine Ausstellung der Auswanderungswelle im 19. Jahrhundert. „Ein besonderes Anliegen von Frederiks Vater“, wie Martin anmerkt. Der betreibt die Seite „In die weite Welt“ im Internet. Als Teil fürs Ganze steht Caspar Melcher, der um 1846/47 aus Schönholthausen nach Amerika auswanderte und am Californian Goldrush teilnahm. Und jetzt, interessant: „Seit zwölf Jahren kommt Jack aus den USA, ein Nachfahre Melchers, nach Schönholthausen“, erzählt Frederik. Zufällig war Schützenfest zu der Zeit, Jack, in seinen 80-igern, ist seitdem Vereinsmitglied und kommt jedes Jahr auf Besuch. Kann man nachlesen im Besucherbuch.

Kreisliga-Fußball vereint

Natürlich quatschen wir auch über Fußball. Rot-Weiß Ostentrop/Schönholthausen und der SSV Elspe spielen beide in der Kreisliga A, man kennt sich, die Trainer und die Spieler, alles Dorfjungs. Aber wo sind mir Martin und Frederick schon mal begegnet? „Hast Du den Elsper Weihnachtsmarkt fotografiert?“, fragt Frederik. Jo, habe ich. Er spielt die Posaune im Elsper Musikverein und ist auf einem Foto. Martin ist auf Instagram unterwegs und als Podcaster: Fußball im Kreis Olpe, Finnentrop damals/heute, Bündnis Karneval Kreis Olpe, daher kennen wir uns viral (guckt ihr auf Insta ssv_elspe_1911). Mann, ist die Provinz klein!

Der Sparschäler wurde hier erfunden

Noch eine fast in Vergessenheit geratene Beziehung verknüpft Schönholthausen mit Elspe: „In Schönholthausen wurde der Sparschäler erfunden“, erzählt Frederik. Von einem gewissen Herrn Deimel, dessen Nachfahren ein großes Werk für Küchengeräte – Westmark – nun in Elspe betreiben.
Was, bei aller Nostalgie in diesem Fachwerkhaus erstaunt: Warum kümmern sich junge Leute mit einer derartigen Leidenschaft um Vergangenheit? Weil es auch ihre Geschichte ist, an die sie erinnern und die sie bewahren wollen. „Wir jungen Leute müssen uns darum kümmern“, sagen Martin und Frederik. Deshalb haben sie im Kreisheimatverein Olpe eine Gruppe namens „Next Generation“ ins Leben gerufen.
Heimatstube, Zur Schlerre 2, geöffnet jeden 1. Sonntag im Monat, 14 – 17 Uhr, Trägerverein Heimatverein Schönholthausen
PS: Jungs, in eurer Barockkirche war ich auch!

 

Kommentar zu “Museum Heimatstube: Ein Kurztrip in die Vergangenheit

  1. Michael, mal wieder ein schöner Artikel aus deiner Heimat, für die die beiden jungen Leute offensichtlich auch viel übrig haben. Habe ich sehr gern gelesen und die Fotos zeigen viele Ausstellungsstücke, die ich aus meiner bäuerlichen Vorgeschichte kenne. Wunderbar!

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