Halloh, Stier und Wallenstein

Von Martin (Text) und Franz (Fotos) – Oesterberge bei Wenholthausen lockt uns mit Schnee zu einer Tour Richtung Calle und Wallen. Schon am Wanderparkplatz vermisse ich meine Langlaufski – eine einsame Spur zieht sich über die verschneiten Felder. Da aber unser Bildgebender Franz mit den Brettern (noch) nichts anfangen kann, ziehen wir auf Schusters Rappen den Mescheder Höhenweg entlang, erst durch endlose Weihnachtsbaumplantagen, dann durch eine Talidylle mit Fischteichen. Den ersten Hochsitz am Wegesrand nutze ich zur Komplettierung meiner Garderobe, der Wind zieht doch ziemlich durch die Wanderhose durch.

Der Fotograf begeistert sich derweil für eisverkrustete Brombeeren und bizarre Eisgebilde am Bach und versenkt darüber fast sein Handwerkszeug im kalten Wasser – Glück gehabt!

– Stoischer Stier

Weiter unten wollen wir den stark vereisten Hauptweg verlassen und stapfen abkürzenderweise über eine weiße Weide. Humorige Überlegungen zum Thema „Wenn jetzt der Stier kommt, müssen wir aber fix über den Stacheldraht“ bekommen plötzlich ein ziemliches Gewicht, denn 200 m unter uns entdecken wir ihn tatsächlich – den Stier. Glücklicherweise ein eher stoisches Tier; während unserer Jause auf warmen Strohballen im Unterstand neben der Weide beobachten wir außer gelegentlichem Kopfwenden keine Bewegungen.

Im einsetzenden Schneefall erreichen wir Calle, ein Dorf der Bäche und Brücken, wo der Brückenheilige Nepomuk nicht fehlen darf.

– Frühe Schlenderer

Ein Kreuzweg führt uns von Calle zur Kapelle am Halloh von 1686, mal wieder wurde hier eine altgermanische Opferstätte und spätere Richtstätte als Bauplatz verwendet. Die Infotafel belehrt uns über vermutete Wunderheilungen und dass man 1994 bei der Dachrenovierung ein Bündel aus acht Krücken fand, dessen Vorbesitzer sie wohl in der Kapelle ließen und davonschlenderten.

– Sagenhafter Gipfel

Wir schlendern einen weiteren Kreuzweg hinab nach Wallen und mit Blick auf den felsigen Wallenstein wieder hinauf. Praktisch gleichzeitig kommt uns die Idee, diesen sagenhaften Gipfel (nicht verwandt mit dem bekannten böhmischen Heerführer) nicht rechts liegen zu lassen, sondern zu bezwingen. Nach einer ersten Umrundung des Berges zur Sondierung der besten Aufstiegsroute (und weil wir das Wanderzeichen übersehen haben), kämpfen wir uns über felsige Pfade, durch zentimetertiefe Schneeverwehungen auf den 480 m hohen Gipfel, der einen guten Blick auf die Umgebung samt benachbarter Steinbrüche bietet und als Zugabe eine kleine Burgruine.

Beim Abstieg bekommen wir den nächsten Schneeschauer aufs Haupt, aber schon kurz danach bricht die Sonne durch. Wir nehmen es als Zeichen dafür, dass man höheren Ortes mit unseren bergsteigerischen Leistungen zufrieden ist.

– Geheimnisvolle Spuren und Sackhüpfer

Im frischen Schnee entdecken wir Spuren eines Tieres: Waschbär, Luchs oder ist es doch Meister Reinecke, der kurz vor uns den Weg Richtung Markshöhe nutzte? Dort, auf dem Höhepunkt unserer Wanderung mit 591 m bestaunen wir noch den Startplatz für Paraglider und Drachenflieger, um dann lockeren Schrittes den letzten Kilometer zurück nach Oesterberge zurückzulegen.

Martin_80x80 Franz_Autor

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