Wieder son Oktobertag

Von Franz (Fotos) und Michael (Text) – Jo Leute, heute laufen wir vier Mann stark. Reicht für die Gründung eines Wandervereins, und er könnte den poetischen Namen SGV Elfenfohren tragen, weil wir dort losgehen auf den Höhenflug.
Markus unkt sofort: „Wir dürfen nur nicht zu viele werden, sonst kommen wir überhaupt nicht mehr von der Stelle.“ Denn Martin ist nach der ersten Pilzsichtung sofort im Unterholz verschwunden. Wo geht es überhaupt hin, Franz? „Wir laufen einfach einen Bogen um das Stephanopeler Tal“, sagt er. Einfach? Eine Aussage, die sich später mit der Wirklichkeit messen lassen muss…

Wiurrr, zwosch, Freiheitsenergie

Erst mal bestaunen wir die Verladung von Kalamitätenholz. Die Verlader kommen aus Estland, die Lkw aus Rumänien, und die ganze Fuhre geht nach China. Sauerland, so international. Hinter den Windradriesen führt ein unatttraktiver breiter Forstweg. Vorteil: Wir können zu viert nebeneinander gehen. Das beständige Mahlen, Zischen und Wuschen der Mühlen nervt, wiurrr, wiurrr, zwosch, aber gut: Freiheitsenergie, wie Robert sagen würde. Ein kleineres Windrad ein paar hundert Meter weiter dreht sich – konstruktionsbedingt – wie irre im Wind. Streber?

Son goldener Oktobertag

Und dann war dann mal da ein Weg, „zumindest vor zig Jahren“, meint Franz. Also stiefeln wir weglos durch sehr feuchte Graslandschaft weiter. Wir können uns aber nicht beschweren, es ist wieder son goldener Oktobertag. Viel open range, um einen Neo-Western mit Kevin Kostner zu zitieren, weil es auch hier viel waldleere Berge und endlose Wiesen gibt, und viel blue skies, weil die Wolkendecke, wie der WDR ankündigte, im Laufe des Morgens „zerbröselte“.

Ein Weg, irgendwo

Irgendwo müsste hier ein Weg sein. Ist er aber nicht, Franz. In den borkenkäferfraßgeschädigten Bergen ist der Abzweig, äh, einfach untergegangen. Also Straße bis Ispei? Franz und Markus kraxeln blindlings eine steile Waldböschung hoch (da oben muss irgendwo ein Weg sein), Martin und mir fehlt die „intrinsische Motivation“ (danke, Edin Terzic), ihnen zu folgen. Auf gut Deutsch: Nee, lass ma, kein Bock da hoch.

Ein Weg, der nicht da ist

Nach einer Butterpause zickzacken wir hinter Ispei auf die Höhen, auf ansprechenden Pfaden übrigens, und Pilze stehen da auch. Ein Schusterpilz „will mit“, den Martin trotz seiner exzellenten braunen Tarnkappe im braunen Buchenlaub entdeckt hat. Perlpilze ebenso. Um es mit dem Jugendwort des Jahres zu sagen: Martin „smasht“ den Flockenstieligen Hexenröhrling. Pilze sind knorke, würden die Älteren unter uns sagen. Immerhin wohnt letzterem Wort ein gewisser Wortwitz inne, etwas Berlinerisches, gewiss. Einer Bewertung der rhetorischen Kreativität der Jugend enthalten wir uns.
„Highlight“ der Tour ist eine windschiefe, aber dennoch stabile Bank unter einem Buchenhain, an der Franzens Erinnerungen hängen. Leider nicht an der exakten Führung der Strecke, denn da ist wieder ein Weg, der nicht da ist, wo er sein sollte. Nach Hause kommen wir aber immer.

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