Eine Heimlichtuerin

Von Franz (Fotos) – Matschiger Schnee liegt am Phoenixsee und es ist eigentlich kein Wetter, um Vögel zu fotografieren. Aber vielleicht gelingen ja ein paar Aufnahmen, die das tierische Leben in Eis und Schnee zeigen. Ich laufe also am Südufer entlang. Der Himmel ist grau verhangen und der Winter kann sich nicht so recht entscheiden, ob es schneien oder regnen soll.

Möwen werden gefüttert und zeigen ihre genialen Flugfähigkeiten. Ein große Gruppe von Reiherenten und Tafelenten dümpeln in der Mitte des Sees. Distelfinken picken Sämereien von wilden Karden und leuchten farbig im trüben Grau. Ein Graureiher passt mit seinem Namen zum gerade vorherrschenden Wetter. Ein Schnatterentenpaar schwimmt in trauter Einheit über den Phoenixsee und ein Teichhuhn sucht Futter am verschneiten Ufer.

Ein heimlicher Vogel

Und dann das! Ich laufe ab 11 Uhr am südöstlichen Ufer entlang. Auf der gegenüber liegenden Seite des Phoenixsee fliegt ein größerer brauner Vogel am Schilfgürtel entlang und lässt sich im Schilf nieder. Durch das Fernglas kann ich ihn noch so gerade erkennen, darf ihn aber nicht aus den Augen verlieren, sonst werde ich den gut getarnten Vogel wohl nicht mehr wiederfinden. Ein Foto mit dem Teleobjektiv und die 100%-ige Vergrößerung auf dem kleinen Monitor lässt mich vermuten, dass die sehr heimliche Rohrdommel den Phoenixsee für sich entdeckt hat. Aber da der mit seinem gemusterten Gefieder so perfekt getarnte Vogel schon etwas tiefer im Schilfgürtel sitzt, bin ich absolut nicht sicher. Schon kurze Zeit später, ich habe nur ein paar Aufnahmen zustande bebracht, klettert er weiter ins Schilf hinein und wird unsichtbar. Ab nach Hause und die Fotos schnell auf dem großen Monitor angeschaut. Ich habe tatsächlich eine Rohrdommel entdeckt. Mit den Fotos kann ich aber höchstens ihre Anwesenheit am Phoenixsee belegen. Ich schaue bei Wikipedia nach: die Rohrdommel gehört zur Familie der Reiher und lebt bevorzugt in großen Schilf- und Röhrichtbeständen, wo sie mit ihrem gescheckten Federkleid kaum zu erkennen ist. Sie ist etwas größer als ein Haushuhn. Mehr könnt ihr hier nachlesen: https://de.wikipedia.org/wiki/Rohrdommel

Ein Glücksmoment

Am Tage ist die Rohrdommel kaum zu beobachten, da sie nachtaktiv ist und erst in der Dämmerung mit der Nahrungssuche beginnt. Was habe ich heute morgen doch Glück gehabt. Um 16 Uhr bin ich wieder am Phoenixsee. Die Stelle, an der sie kurz vor Mittag im Schilf verschwunden ist, habe ich mir gemerkt. Mit dem Fernglas suche ich den Schilfgürtel ab und hoffe darauf, dass sich die Rohrdommel in der Dämmerung wieder zeigt. Was soll ich sagen, ich habe schon wieder riesengroßes Glück. Der seltene Vogel sitzt im äußeren Schilf, schaut mal ins Schilf, dann reckt er den kurzen Hals und ahmt mit dem gestreiften Gefieder Schilfhalme nach. Perfekte Tarnung. Jetzt gelingen ein paar Fotos aus großer Entfernung, die schon eher zur Veröffentlichung taugen. Schöner wäre natürlich eine geringere Distanz gewesen. Aber man kann nicht alles haben. Ich bin so froh, überhaupt mal eine Rohrdommel gesichtet zu haben. Und dann ist dieser Glücksmoment auch schon vorüber. Die Rohrdommel klettert wieder ins Schilf und wird unsichtbar. Den entscheidenden Moment kurz vor der Dunkelheit hat sie mir schließlich gegönnt. Herzlichen Dank!

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