Der Kuhreiher und die Heckrinder

Von Franz (Fotos) – Im vorigen Beitrag „Früh morgens in den Rieselfeldern“ habe ich euch ja von der Sichtung des Kuhreihers erzählt. Entscheidend war der Tipp von Michaela, die sich bestens in den Rieselfeldern auskennt. Also, nachdem sie mich auf ihre Fundstelle aufmerksam gemacht hat, bin ich natürlich sofort dorthin „geschlendert“. Und tatsächlich der Kuhreiher steht zunächst allein mitten im Teich, kurz darauf  aber etwas zusammengesunken und wohl noch nicht ganz wach zwischen dösenden Silbermöwen. Was habe ich doch für ein Glück!

Wohlfühlen zwischen Heckrindern

Ich setze mich auf eine Bank und warte neben einem anderen Fotografen darauf, dass er hungrig wird und zu den Heckrindern hinüber fliegt. Wie mir der Kollege erzählt, kann man wohl fast die Uhr danach stellen. Immer etwa um 10 Uhr herum soll der seltsame Geselle nämlich zu seinen „Freunden“ aufbrechen. Aber dann bin ich für ein paar Sekunden unaufmerksam. Der Kuhreiher ist plötzlich verschwunden. Schnell gehen wir hinüber zu den Heckrindern. Sie stehen weit entfernt, doch ein weißer Vogel bewegt sich zwischen den ruhenden Rindern. Da ist er wieder. Michaela hatte noch erzählt, dass sich der Kuhreiher bei den Heckrindern ausgesprochen wohl fühlt und mit ihnen zusammen über die Wiese „tapert“. Wenn die Heckrinder Gras rupfen, scheuchen sie Insekten und andere Lebewesen auf – gefundenes Fressen für den Reiher und eine herrliche Symbiose zwischen Großtier und Vogel.

Immer dicht dabei

Um näher an die Heckrinder und den Kuhreiher zu kommen, laufe ich auf einem anderen Weg an der Wiese entlang und finde dort eine deutlich bessere Fotografierdistanz. Ohne Scheu läuft der Stelzenvogel zwischen den liegenden Rindern herum und bewegt dabei oft seinen Hals in schlangenförmigen Linien. Ist das wohl Balzverhalten und ist er in die Rinder „verliebt“? Ich weiß es nicht. Schön sieht es jedenfalls aus. Dann erheben sich einzelne Heckrinder und beginnen mit ihrem etwas späten Frühstück. Der Kuhreiher immer dicht dabei, was den Rindern anscheinend überhaupt nichts ausmacht. Der Kuhreiher pickt fleißig Insekten auf und stillt hiermit seinen ersten Hunger. Mehrmals flitzt er zwischen zwei Rindergruppen über die Wiese. Vom „Strullen“ einer Jungkuh lässt er sich nicht beeindrucken.

Das Ende eines Frosches

Dann das für mich beeindruckendste Erlebnis. Nahe bei einem Jungbullen pickt der Kuhreiher ins hohe Gras und hat plötzlich einen Frosch im Schnabel. Bitte nehmt es mir nicht übel, dass ich die folgenden, ja eigentlich grausamen Szenen durchfotografiert habe. Der Frosch muss noch mit dem Kopf nach vorne zurechtgelegt werden, damit er verschlungen werden kann. Mit einer ruckartigen Bewegung schleudert der Reiher den Frosch in die passende Richtung und verschlingt sein Opfer. Zum grausamen Ende schaut nur noch ein Bein aus dem Schnabel. Fressen und gefressen werden, so läuft das nun mal in der Natur ab.

Bleibt noch zu klären, wie ein eigentlich zwar weltweit (Afrika, Amerika, Asien, Südeuropa) zu sehender Schreitvogel den Weg nach Münster gefunden hat, denn in Deutschland ist der Kuhreiher doch noch sehr selten anzutreffen. Einige vermuten, dass er aus einem Zoo oder einer Voliere ausgebüchst ist. Er kann aber auch als Zugvogel in den Rieselfeldern eine Rast eingelegt haben. Fragen über Fragen, die ich nicht beantworten kann. Vielleicht hat jemand ja eine schlüssige Erklärung.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*
Website