Quer durchs Geplennte

Von Franz (Fotos) und Michael (Text) – Es gibt Touren, die fangen einfach gebraucht an. Franz, Fred und ich stehen vor den verschlossenen Toren des Bremecker Hammers in Lüdenscheid, der Eingang zugewuchert, wegen „erforderlicher Sanierungsarbeiten“ ist das Museum geschlossen. Und zwar schon seit Jahren.
Der Hammer ist ein museales Kleinod, das an das Schmiedehandwerk aus vor/industrieller Zeit erinnert. An Schmiedetagen sind hier Schmiedefeuer, Glühöfen, Feilenhauerei, Fallhammer und Schwanzhammer in action zu erleben. Leider ist die zum Hammerteich weisende Wand nicht mehr standsicher, weshalb das Museum seit 2014 geschlossen ist. Die Sanierung ist eine Frage des Geldes (1 Mio.), das niemand hat/geben will. Für Wanderer jetzt schlecht, weil die Tour Wasser-Eisen-Land über das verrammelte Museumsgelände führt.

Wenninghausen? Allerliebst!

Also starten wir die Runde erstmal gegen den Uhrzeigersinn, was uns ein frühes Highlight beschert. Wenninghausen ist eine Ansammlung adretter alter Steinhäuser und könnte glatt als Museumsdorf durchgehen. Allerliebst. Man glaubt es nicht, aber auch hier wird berechtigerweise geklagt. Die Honigernte fällt schlecht aus, meint ein Imker hinter dem Örtchen, zuviel Regen im Juni.

Im dritten Jahr hintereinander fällt die Heuernte schlecht aus

Zu wenig Regen, meint allerdings ein rüstiger alter Herr, den wir oberhalb einer Wiese im Schatten eines Haines treffen. „Das ist jetzt das dritte Jahr hintereinander, in dem die Heuernte wegen der Dürre schlecht ausfällt“, sagt der 82-Jährige. Zwei Drittel der Ernte fehlen ihm als Futter für seine Pferde, er muss teuer zukaufen, mehr als 100 Euro für einen großen Ballen. „Das gibt eine Katastrophe“, meint er.
Von den Waldbauern ganz zu schweigen. Die Dürre hat auch hier dem Borkenkäfer das Feld geöffnet, überall braune und vergraute Geisterbäume. Im geschädigten Forst giftet ein Chor schwerer Fichtenmopeds, zugleich ein Hinweis auf die finanzielle Situation des Waldbesitzers. Kein Geld für den Einsatz eines Harvesters. Zu guter Letzt stimmen wir ein in das Wehklagen: Auf diesem verwüsteten, staubig-dürren Waldboden wächst doch kein Steinpilz mehr! Zum Heulen.

Tour nur mit GPS gehen

Wigginghausen ist ein Dorf teils alter, teils schmucker Wochenendhäuser, sehr hoch, sehr abgelegen, sehr ruhig. Dann weist die Tour, die Franz von einem Wanderportal heruntergeladen hat, schwere Gebrauchsspuren auf; bzw. nicht. Lange Wegstrecken dieser Wanderung sind schlecht zu finden, von einer Auszeichnung ganz zu schweigen. Hier ist jemand quer durchs Geplennte gegangen und hat die GPS-Daten der Tour später einfach online gestellt. GPS-Daten sind unabdingbar, weil die Pfade zugewachsen und kaum noch zu erkennen sind. In welchem Jahrhundert ist der/die hier gewandert? „Seit Ewigkeiten nicht mehr begangen“, meint Premiumwanderstreckendesigner Franz, der sich dieses Mal auf andere verlassen hat. Immerhin sehen wir in Brennnesselhecken und stacheligem Unterholz eine Quelljungfer respektive Mosaikjungfer. Zu schnell für die Kamera und für die sichere Bestimmung.

Was tun? Barfuß durch die Verse

Die Wegführung bleibt ein Suchspiel mit drei GPS-Handys, die alle Unterschiedliches anzeigen. Wir trollen uns über eine belebte Viehweide – ach ja, im Wendener Raum im Westkreis Olpe, wurde übrigens von einem Jäger ein Wisent abgelichtet; hat aus dem Wittgensteiner Wald schon eine stramme Wanderung hinter sich.
Wir nähern uns dem Ende dieser Tour, also dem geschlossenen Schmiedehammergelände von der anderen Seite. Was tun? Wie Lenin 1902 der russischen Sozialdemokratie geben wir Schlenderer Antwort auf brennende Fragen unserer Zeit, ziehen Schuhe und Socken aus und waten barfuß durch die kalte Verse, die sich an dem Bremecker Hammer entlangwindet.
Franz, nicht vergessen: Bei der nächsten nassen Wanderung Gummistiefel auf die Materialliste setzen!

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