Winterliche Wixberg-Überschreitung

Von Franz (Fotos) und Michael (Text) – Franz wird immer komischer, ich mein, er sucht jetzt schon komische Orte aus, nicht wahr? Nachrodt. Wie wird das eigentlich ausgesprochen, hart: Nachrott, oder smooth: Nachrooodt? Außerdem: Das Dorf liegt im Lennetal, das dort auch noch bedrückend eng ausfällt.

Irgendwann in meinem Leben war ich, so glaube ich, schon mal hier. Als Ferienarbeiter bei einem Bauunternehmen, als Gräben für Strom- und Telefonkabel für Elektromark und Post teils noch mit Spitzhacke und Schüppe ausgeworfen wurden. Vor Weihnachten hatte der Schachtmeister den Kofferraum seines Mercerdes voller Schinken und Fresspakete für…, ja, unter Bestechung verstand man damals noch das Ergebnis eines Wespenangriffes.

„Steighilfen ausfahren”

An diesem Tag hat der Winter gottsdeidank eine weiße Decke über das Land gelegt, an manchen Stellen so hoch, dass wir die Schneeschuhe gebrauchen könnten, die wir kommende Woche in den Alpen anlegen wollen. Hinter der Lennebrücke ragen Erdfaltungen steil empor, da müssen wir hoch. Im Schneegeriesel liegt Nachrodt tief unter uns. Ein reizender Pfad schlängelt sich durch den verschneiten Hang. „Man könnte schon die Steighilfen ausfahren“, meint Martin, aber die Schneeschuhe haben wir nicht dabei, und die Grödeln, die Franz mir gegeben hat, liegen praktischerweise im Kofferraum. Schneehöhe und Glätte erfordern Trittsicherheit, zumindest im Winter. Der Weg endet auf einem Plateau mit Silberwald und Eiswiese. Die Stille im Schnee ist stiller als gewöhnlich; sind es die dieselabgasgrauen Wolken am Horizont, die bleischwer auf ihr lasten?

Kalauergefährdeter Grat

Ein Hohlweg führt an Pferdewiesen entlang hinauf zu dem Weiler Wixberg und weiter zum gleichnamigen Berg (445 m oder so). Der Wind hat an manchen Stellen den Schneee überknöchelhoch zusammengetragen. Vorsichtig eiern wir weiter auf dem schmalen, kalauergefährdeten Grat hinauf zum Wixberg-Gipfel. Puh, noch mal gutgegangen ;-)

Beliebte „Querungen”

Eigentlich könnte auch ich jetzt aufatmen. In dem steil abfallenden Tal kann Franz KEINE  seiner beliebten „Querungen“ einbauen. Denkste. Irgendwo haben wir einen Pfad, der nur auf dem Wanderportal outdooractive auftaucht und sonst nirgends, vor allem nicht im echten Leben, verpasst. Über einen steilen Hang rauschen und kantappern wir, einem Wasserlauf nach, nach unten. Der letzte Teil der Strecke ist wieder traumhaft: Hoch über der Lenne führt ein Pfad zurück zu den Erdfalten, unserem Ausgangspunkt.

Oberstdorf, wir kommen!

Kommentar zu “Winterliche Wixberg-Überschreitung

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