Mystische Landschaft

Von Franz (Fotos) und Michael (Text) – Die Wolken hängen in Griffhöhe über dem Strand von Haukland. Der „Beach“ auf der Insel Vestvågøya wird wechselweise mit den Buchten von Kvalvika und Uttakleiv zu den schönsten Stränden der Lofoten gezählt.

An diesem Tag ist er fast menschenleer. Zwei Camper bändigen auf einer Wiese ihr im Wind flatterndes Zelt. Auf- oder Abbau? Sie ziehen ab und wir weiter auf der wilden Küstenpromenade nach Uttakleiv. Der Niesel kommt von vorne und prickelt unentwegt auf unser Regenzeug, der Strand in unserem Rücken leuchtet dennoch unschuldig grellweiß und türkisfarben, als ob er uns zum Bade lade. Ein Austernfischer stakst schwarzweißrot über den Sand.

Mächtige Granitblockfelder

Die alte, stillgelegte Küstenstraße, die nach Uttakleiv führt, ist topfeben und ließe sich sogar mit der Seniorenabteilung des SGV Elspe gehen. Am Wegrand lagern riesige Blöcke von der Güte, wie sie gern in steilen deutschen Vorgärten zur Befestigung verbaut werden. Yø, hier gibt es immer wieder Steinras, wie der Steinschlag in Norwegen genannt wird. Der Veggen (489 m) schüttelt sich immer wieder mal loses Gestein von der Schulter. Mächtige Granitblockfelder bis ins Meer hinab zeugen von den Kräften, die hier einst wirkten. Entsprechend respektvoll schleichen wir unter einer nach vorn gebeugten Felswand entlang, bedrohlich düster, das Haupt in den Wolken. Die Steilwand Veggflogget erinnert in ihrer Form an die Nordwand des Eiger, nur erheblich kleiner. Die Gefahr ständiger Felsstürze auf die Küstenstraße führten letztlich zu der Entscheidung der Norweger, zur Sicherheit der Bewohner im Jahr 1998 einen 889 Meter langen Tunnel von Haukland nach Uttakleiv zu bohren.

„Falleri, fallera”

In Höhe der Felseninsel Tåa schließen wir zu einer Wandergruppe auf, die fröhlich ein Lied schmettert. Ja ist das denn wirklich eine SGV-Abteilung? „Mein Vater ist ein Wandersmann“ gibt es auch auf schwedisch, nur falleri, fallera klingt international.

Trotz der widrigen Bedingungen wächst hier etwas, Flechten, Steinbrech, Fette Henne klammern sich in die engste Felsritze. Das Grün wird von allgegenwärtigen Schafen (ebenso gegenwärtig: Schafscheiße überall) kurz gehalten wie auf einem Golfplatz. Als die Felstrümmer zu unserer Linken immer kleiner und runder werden, haben wir den Strand von Uttakleiv erreicht. Die britische „Times“ zählt ihn zu den romantischsten Stränden Europas. Wir meinen: Das hängt von der Tagesform des Wetters auf den Lofoten ab.

Rundgeschliffene Steinbuckel

Eine salzig-schweflige Note nach Meer und faulendem Tang liegt in der Luft. Von der Brandung rundgeschliffene Steinbuckel liegen dunkel herum wie Seebären auf dem Strand. Einsame, kontemplative Landschaft, um zu vergessen und zu versinken in sich selbst.

Befestigte Kehren

Für den Rückweg nach Haukland bieten sich drei Möglichkeiten an. Die gleiche Strecke zurück, durch den Tunnel (machen einige) oder über den alten Pferde- und Karrenweg, über den bis zum Bau der Küstenstraße (1934-1947) der Zugang zu Uttakleiv führte. Von der alten Schule führen gewundene, befestigte Kehren zur Passhöhe Klumpan hoch, sind nass und rutschig. Oben wird die Wahl mit einer stimmungsvollen, mystischen Gegend belohnt. Über den Mooren und Seen wabert der Nebel, der Himmeltindan (962 m) verhüllt seinen Gipfel und träte ein Troll aus dem Dunst, wir würden uns nicht wundern.

Der Abstieg über den grasigen, lehmig-nassen Hang nach Haukland hinunter gerät, trotz grobsohliger Schuhe, zu einer rutschigen Sache. Ein paar junge Leute mit Turnschuhen kraxeln von unten hoch; hoffen wir für sie, dass sie diesen Weg nicht zurückgehen.

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