Sahniges Treten

Von Franz (Auge) und Michael (Stift) – Wenn Du eine Schneeschuhwoche in den Allgäuer Alpen vor dir hast, ist es sinnvoll, sich ersma einzulaufen. Schnee gibt es massig und praktischerweise können wir – Franz, Fred, Martin und ich -, von der Haustür aus in Kornau vom Berghof Hansbauer (super Ferienwohnungen, frische Milch aus dem Stall!) loslaufen.
Schon hinter dem Haus tauchen unsere Staken tief in den Schnee, Flockenwirbel umtanzen uns. Am Skilift Söllereck wollen wir entlang der Piste hoch zur Bergstation. Haufenweise Skifahrer lungern an der Talstation herum, weil der Lift nicht läuft. „Schneeschuhlaufen ist ja SOO interessant“, entfährt es einem Großkotz.

Skifahrer dissen

Vollpfosten! Warum steht ihr hier herum? Weil ihr da, wo wir hinwollen, nicht hinkommt mit euren Brettern. Schneeschuhtouren im Tiefschnee sind etwas für Männer, dafür braucht es Kondition und Zähigkeit, ihr Nasen.

„So viel Schnee diese Nacht“, sagt der Wirt vom Berghaus „Schönblick“ an der Bergstation. Abends geräumt, morgens wieder dreißig Zentimeter drauf. „Aber der Schnee soll ja bis April halten“, ergänzt er. Hinter dem „Schönblick“ finden wir: Mindestens 35 Zentimeter Pulver-Neuschnee, bollig und rund liegt er auf den Kuppen und Rundungen der Erde, fluffig und sahnig zu treten, und es erinnert an den Flow auf dem Mountainbike, wenn man in guter Form scheinbar mühelos die Steigungen erklimmt.

Ein Ski-Doo stiebt durch den Pulverschnee

Bis uns ein Ski-Doo überholt, durch den Pulverschnee stiebt und uns ein bißchen den Spaß nimmt. Auf der Rückfahrt von der Hochleite-Hütte stoppt der Fahrer bei uns: „Ich habe euch eure schöne Winterlandschaft zerstört“, meint er schuldbewußt. Naja, wir Vier sind vermutlich die einzigen Verrückten, die hier rumlaufen. Nein, entgegnet er, wir müssen auch an die Winterwanderer denken und was ihr macht, ist bei diesem Wetter genau richtig.

„Zeit für einen Enzian”

Manchmal ist es echtes Glück, wenn die Wanderwegweiser so eben noch aus der Schneedecke lugen. Wir trampeln an einigen Ecken sicher auf meterhohen Verfrachtungen herum. Franz lungert hinter uns her und moppert: Nicht so schnell, lasst uns doch die Winterlandschaft ausgiebig genießen. An der Hochleite-Hütte entscheidet Fred: „Zeit für einen Enzian“, und so kehren wir ein. Herber, rauher Brand, bayrisches Weizenbier, Leberknödelsuppe, Germknödel, ein passender Moment, um eines unserer Lieblingswörter zu platzieren. Herrlich! Nämlich eine echte Genuss-Ecke, die Hütte. Abtaumeln ins Tal.

Dramatische Flockenwirbel

Bis zur Heini-Klopfer-Schanze schnallen wir die scharfzahnigen Schneeschuhe ab – Asphalt, bis wir links entlang der Stillach wieder durch Tiefschnee laufen. Vor Oberstdorf gleiten linkerhand Langläufer stumm durch die Loipen; auf der freien Pläne steigert sich die Dramatik der Flockenwirbel, anhaltender, frontaler Wind bläst uns Schneehauben auf Jacken, Mützen und Handschuhe. Fuffzehn Kilometer, 660 Höhenmeter, 3,5 Zentimeter Schneewächte auf dem Brillenrand: super Tour!

 

 

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