Im Schwarzwassertal

Von Franz (Fotos) und Michael (Text) – Wenn im Kleinwalsertal der öffentliche Bus Ketten trägt, hat das einen sehr guten Grund: Schnee in Massen, auch auf der Straße. Wir kariolen nach Ifen, vier Schneeschuhwanderer mit einer Menge Menschen, die nur eines im Sinn hat: rein in den Skizirkus.
Die Schneeketten machen sich während der Fahrt körperlich bemerkbar. Es mahlt und rumpelt merklich und vibriert bis in die Nervenfasern. Apropos Bus. Die Schlenderer sind dieses Mal äußerst sauber von Dortmund nach Oberstdorf gelangt; mit dem ICE bis Augsburg, dann weiter mit der bayrischen Regionalbahn. Ein vorbildlicher CO2-Fußabdruck, Zehenspitze nur Hilfsbegriff.

Weil wir so müde, müde, müde sind

Die Tour ins Schwarzwassertal vom Bergfuß des Ifen aus beginnt zäh, die Muskeln sind noch steif von der ersten Wanderung, und auch, weil wir vom Vortag noch so „müde sind, so müde, müde, müde sind“ (danke, AnnenMayKantereit: „Ich geh’ heut nicht mehr tanzen“). Als wir in die meterdick weiß gepolsterte Landschaft eintauchen sind wir froh, den lärmenden Massentourismus hinter uns zu lassen. Über den Gebirgsketten liegt ein milchig-blauer Himmel, die Gipfel scharf und konturiert; hartes, glitzerndes Weiß, auf dem sich die Wälder dunkel absetzen.

Die Freerider johlen von den Gipfeln

Die Alpe Melköde im Schwarzwassertal liegt jetzt verlassen da, stoisch, so hat es den Anschein, wartet und wettert sie den Winter ab. Von den Gipfeln johlen die Freerider, die trotz Lawinenwarnung abseits der gesicherten Piste ihre Bögen in den jungfräulichen Schnee wedeln.

Guter Kaiserschmarren

Dann gibt es mal wieder eine „Querung“. Martin, Fred und Franz steigen 30 Höhenmeter durch ungespurten, tiefen Schnee auf und werden fortan nicht mehr gesehen. Ich bin auf dem Normalweg und habe Durst, weshalb ich als Erster an der Schwarzwasserhütte bin und eine Halbe Weißbier sauge. Die Hütte wird voll und voller, nur: Wo bleibt meine Gruppe? „Wir gehen im Bach hoch, links vom Weg“ meldet mir eine SMS. Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht? Ah, zum Weißbier passt ein Kaiserschmarren hervorragend, und der in der Schwarzwasserhütte sieht vielversprechend aus. Nach 45 Minuten trifft endlich der Haupttross ein.

Der Skizirkus will auch nach Hause

Zurück nehmen wir die Spur am Bach rechts vom Weg. Sieht so aus, als hätten drei Mann vorhin schon eine Fährte gelegt… Wir bestaunen die Höhen und Formen des Schnees auf der Natur, einzelne Fichten sehen aus wie pudelige Flaschenbürsten. Im linden Nachmittagslicht wirken die Rundungen der Kuppen sanft und beruhigend, aber mit der Entspannung ist dann vorbei, als der Skizirkus, wie wir, mit dem Bus nach Hause will.

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