Superlativ im Glas

Kaum auf der ProWein2019 aufgeschlagen, und wir können mit dem ersten Superlativ aufwarten: Die Schmitz-Brothers haben den teuersten Gutedel der Welt verkostet!
Der 2016er Jaspis Gutedel 10hoch4 (Alte Reben unfiltriert) des Markgräfler Weingutes Ziereisen kostet 125 Euro die Flasche und kommt mit exotischen Aromen um die Ecke: Banane, Holz, brotige Aromen, Brioche. „Der Jaspis hat auf Blindverkostungen schon einige namhafte Burgunder geschlagen“, sagt Hartmut Bick, selbst Winzer und einer der Fachleute, die Hans-Peter Ziereisen und seine Frau bei der Lese und beim Weinmachen unterstützen.
Viel – und preiswerteren Spaß bereiten schon die Gutedel der Einstiegslinie. „Heugumber“, ein schlanker Gutedel mit klarer Frucht, kostet um 6,50 Euro, der Viviser unfiltriert, Zitrusaromen, 8,50 Euro und der Steingrüble, nachhaltig, mineralisch, ist für 12,80 Euro zu erstehen.

Im Weinmeer nach Tropfen suchen

Wir suchen, durchaus planlos und zufällig, in diesem Meer aus Weinen nach Empfehlungen für uns und unseren Freundes- und Bekanntenkreis (Landgasthof Eickhoff, Getränkehandel Verse). Dass Bierverleger ins Weingeschäft einsteigen, ist ebenfalls ein neuer Trend. „Restaurants bestellen nicht mehr die großen Mengen Wein, die Bierverleger können kleine Mengen schnell liefern. Sie haben ja bei den Restaurants den Fuß in der Tür, sind vor Ort“, sagt Thomas Walz, Chef des gleichnamigen Weingutes und eine empfehlenswerte Entdeckung für uns.

Stimmige Kollektion bei Walz

Walz bewirtschaftet mit seiner Frau Nicole ein 18 ha kleines Weingut in Heitersheim mit Lagen über Zunzingen bis hin zum Badenweiler Römerberg. Selten, dass eine Kollektion über Guts-, Lagen- und Flaggschiff-Weinen so stimmig und ohne Ausreißer daherkommt. Besonders gut gefielen uns Gutedel (2018 Bildstöckle, lange auf der Hefe, florale Nase, Melone), Grauburgunder (Zunzinger Rosenberg, rauchig, gelbe Frucht, Extrakt) sowie der Chardonnay aus gleicher Lage (Rosen, florale Noten, mineralisch). „Eine Spielerei, was man mit Gudedel alles machen kann“ (Nicole Walz) steckt im 2018er Flaggschiff Chasselas, der nach Schweizer Art im Holzfass vergoren wurde. Holz, Röst- und Butteraromen steigen gleichermaßen in die Nase und an den Gaumen.

Die Hefe immer wieder aufgerührt”

Mit a bisserl Restsüße, wie die Walz`, stattet auch Hugo Brennfleck seine Silvaner-Kollektion aus. Das heiße Jahr 2018 hat die Zuckergehalte in den Reben (und damit den späteren Alkoholgehalt) sowieso nach oben getrieben. „Wir haben deshalb früh gelesen, den Wein bis Februar auf der Hefe liegen gelassen und die Hefe immer wieder aufgerührt, um den Alkohol geschmacklich einzubinden“, sagt Hugo Brennfleck. Das Ergebnis: Hohe Alkoholgehalte, die man der Silvaner-Kollektion nicht anschmeckt. 13,5 % beim Iphöfer Kronsberg verschwinden in viel Frucht (Melone) und Mineralik, das Maul voll macht der Sulzfelder Sonnenberg von Alten Reben.
Der Kellerstreich ist ein Projekt von Brennflecks Winzer-Lehrling. Silvaner, auf der Maische vergoren, die Beerenschalen immer wieder untergetaucht, im Mai umgepumpt ins Holz: ein Orange Wine, den man mögen (oder nicht mögen) muss. Sehr traubig, sehr oxydativ, erinnert eher an einen weißen Sherry.

Enthusiastischer Jungwinzer

Enthusiastisch geht Andi Weigand das Weinmachen an. „Wein ist Liebe“, sagt er, alle Weine sind handgelesen, biozertifiziert, spontan vergoren und liegen lange auf der Hefe. „Der Wilde“ (Silvaner) ist knackig frisch, gelbe Früchte im Aromenspektrum; Birne, Honig finden wir beim Lagenwein Echter Berg, der Küchenmeister hat blumige, kräuterige Noten. Gleich nebenan noch ein kleines Sektgut, Krack aus Heidesheim. Alle Sorten (Riesling, Rosé, Blanc de Noirs, Blanc de Blancs und die Cuvée „Freundeskreis“ riechen und schmecken ausgesprochen traubig mit einem Kick Holz.

Noch ein Superlativ: der weltbeste Rosé

Die Weine von Elena Walch muss man nicht loben, es versteht sich von selbst, dass nur geschliffene Qualität in die Flasche kommt. Wir genossen: Pinot Grigio Selezione (animierender, fruchtiger Terrassenwein), 2017 Castel Ringberg (frisch, mineralisch), Chardonnay Cardellino (tieffruchtig), Sauvignon blanc Castel Ringberg (weiße Johannisbeere, würzig-mineralisch), Riserva 2016 (gelbe Früchte, feine Holz/Vanillearomen, 10-11 Monate auf der Feinhefe – Halleluja!), Vernatsch per sé (rote Früchte, dezentes Tannin), Istrice (CS/CF, Blaubeeren, langer Nachhall, Süße ohne Restzucker) Lagrein Castell Ringberg (Trockenfrüchte, Kirsche, Süße, Kraftpaket), Merlot Riserva Kastelaz (steile, trockene Lage, süße Trockenfrucht) und zum Schluss noch ein Superlativ: Der Rosé 20/26 aus Pinot, Lagrein und Merlot, delikat, würzig, kräftig, ist eine Fruchtbombe im Mund, der weltbeste Rosé (behaupten wir jetzt einfach)!

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