Im Sauerländer Regenwald

Von Franz (Fotos) und Michael (Text) – 1 Reh, 2 nasse Gestalten, 3 Wildschweine und 1 unbeantwortete Frage: Warum tun wir uns Meinkenbracht an, zum 2. Mal im Regen?
Weil: Da war doch so ein schönes Tal, erinnert sich Franz. Jo, tut sich auch gleich hinter dem Ort auf. Ein weites, sanft geschwungenes grünes Wiesental, eingefasst von Begleitfichtengrün (Wald). Vor einem Bachlauf mit einem Steg hängt der Heiland, geschützt durch ein bemoostes Dach.

Das Kind muss einen Namen haben

Themenwechsel: Franz hört sich öfter im Agard-Haus (irgendwas mit Reptilien und Amphibien) des Dortmunder Westfalenparks naturkundliche Vorträge an. Mittlerweile ist er als Schlenderer-Fotograf erkannt und gebeten worden, doch mal seine schönsten Naturfotografien auszustellen. Wie soll ich das Kind betiteln?, fragt sich Franz. So vielleicht:

Augenblick mal!

Am Wegesrand gesehen – Fotografien von Franz Luthe

Mittlerweile hat sich eine kalte Schwüle über das Land gelegt, die schwer auf den dicken, grünen Matten aus Fichten lastet. Nördlich um Meinkenbracht gibt es viel, sehr viel Gegend, gute Fernsichten und keine Menschenseele, die uns begegnet. Wolken lümmeln lustlos über unseren Köpfen und haben keinen Bock auf Bewegung. Droige Stimmung, nur eine Kreissäge singt in der Ferne im Diskant: Mmmniirrm, hiiiiiin, mmmniirrm, hiiiiin.

Plattfuss im Wald

Dann: Ein Drama im Wald. Ein ziemlich neuer John-Deere-Schlepper liegt rechts hängend antriebslos auf dem Forstweg. Eines der mannshohen Hinterräder ist von der Stahlfelge gesprungen. Muss ein mächtiger Knall gewesen sein. So einen Platten reparierst Du nicht mit links.Der Himmel muss die vorhin notierten Beschimpfungen krumm genommen haben und pieselt von oben auf uns runter. Ey, muss das jetzt sein? Ein Reh flüchtet erschreckt vor zwei nassen Gestalten in Regenzeugs. Dann kreuzen zwei Überläufer, keine Frischlinge mehr, unseren Weg, gefolgt von einem mächtigen schwarzen Schatten auf spitzen Hufen. Keiler oder alte Bache? Meine Herren, was für ein Mordstrumm. Wir verharren reglos, denn mit hundertfuffzich Kilo wildgewordener Sau ist nicht gut Kirschenessen. Übrigens unsere erste Tagsichtung von Wildschweinen, seit wir als Schlenderer unterwegs sind.

Durchgeweicht

Mittlerweile wringt der Himmel die letzten Wolken aus und wir quatschen durch ein triefendes Weißgrün.
Was sollen wir machen, dichten („Meinkenbracht, Meinkenbracht, was hast Du nur mit uns gemacht? Wir waren dir so wohl gesonnen; doch ist unsere Zuneigung jetzt im Regen zerronnen.“) oder fluchen?
Letzteres. Mehr als 8 Kilometer Abgang durch Sauerländer Regenwald, completely soaked thru, Kruzifixsacklzement!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*
Website