Tief im Flow

Von Franz (Fotografie) und Michael (Text) – Kann man nicht lernen! Zum zweiten Mal hintereinander treffen zwei Schlenderer aus entgegengesetzten Richtungen (Dortmund – Elspe) auf die Sekunde genau am vereinbarten Treffpunkt (diesmal Kirchrarbach) ein.

Die Tour beginnt mit einem schneidigen Kreuzweg, der aus dem Ort zur Kreuzkapelle auf dem Steimel hochführt. Die Jugend, falls sie diesen Leidensweg  geht, muss tief katholisch sein, und die älteren Herrschaften extrem berggängig. Wir gehen ihn, weil wir da sind. Die Kapelle wurde 1984/85 restauriert und nach einem Kyrillschaden 2007 erneut auf Vordermann gebracht. Die düster anmutende Pieta im Inneren wurde 1953 von dem Bildhauer Alois Hoppe aus Sögtrop geschaffen.

Bullemänner, habt ihr Bock?

Sögtrop – ein Name wie geschaffen für die Bullemänner. Möchte mal gerne hören, wenn Unterbrandmeister Heini Stertkötter „Söchtropp“ ausspricht, kicher, oder Selkkentropp. Das Sauerland mit seinen Ortsnamen dürfte eine wahre Fundgrube sein für das Münsterländer Ethno-Kabarett. Wir müssen unbedingt mal ne Runde mit Augustin Upmann und Heinz Weißenberg wandern. Bullemänner, habt ihr Bock?

Dunkel, schön und bedrohlich

Hatten wir schon erwähnt, dass es an diesem Tag arschkalt und auf überfrorenem Asphalt arschglatt war? Minus 1,5°, der Himmel weißgrau bis stahlgrau, dunkel, schön und bedrohlich. Über uns schüttelt sich ein Turmfalke über dem schneebedeckten Feld. Mein Gott, was muss der arme Kerl frieren. Das nächste Örtleinchen Freiheit Mönekind besteht aus einer Handvoll Häusern, 1 Kapelle und 1 jaulenden Hund.

Überhaupt sind das Jaulen der Hunde und das Keifen der in den Christbaum-Schonungen wütenden Fichtenmopeds die einzigen Geräusche, ansonsten herrscht: Stille. Wir hören: das Strömen kalter Luft in unsere Lungen, wir spüren: das Auf und Ab unserer Brustkörbe, das warme Streichen der verbrauchten Luft. Wir stehen: auf einer frostig überzuckerten, weiten Wiese auf einer Höhe und schicken Blicke weit hinaus über das frühwinterliche leuchtende Sauerland. Wir sind im Flow.

Optimale Gemütsverfassung

Gut, das müssen wir mal erklären. Als Portal für Mindfulness sowie bewusstes und selbstbewusstes Wandern hören wir auf die Ratschläge unserer Mentaltrainerin Lisa (www.aroha-coaching.de), die uns Achtsamkeit ans Herz gelegt hat. Der Begriff stammt aus der Psychologie und bezeichnet eine Methode zur positiven Selbstregulierung. „Achtsamkeit ist eine Form von Konzentration, den Moment bewusst wahrzunehmen“, sagt sie. Machen wir, Lisa, und gleiten nahtlos in eine optimale Geistes- und Gemütsverfassung, sind einfach nur „da“, winzig in dieser weiten Landschaft. Präsenz und Konzentration in sein Tun bringen, beim Telefonieren nicht auch noch Mails checken oder nebenbei essen, sagt Lisa. Wir verlieren: Stress und Unmut, wir gewinnen: eine intensivere Wahrnehmung, eine unvoreingenommene Empfänglichkeit und mehr Zufriedenheit.

Derart gestimmt knuspern wir unsere Kniften auf einer kristallüberzogenen Bank steil über Sögtrop und blicken auf eine „Modelleisenbahn-Idylle“ (Franz) mit schmucken Fachwerkhäusern und zwei Kapellen. Auf dem Scheitelpunkt des Weges von Kirchrarbach nach Oberhenneborn steht noch eine Kapelle, gewidmet dem Hl. Rochus. Die Statue des Pestpatrons in dem roten Ziegelsteinhäuschen hat wer gemacht? Richtig, Alois Hoppe aus: Söchtropp!

 

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