Auf Sonderurlaub

Von Franz (Fotos) und Michael (Text) – „Leben im Sauerland, das ist ja wie Urlaub“, meinte kürzlich ein guter Kollege, als er aus meinem Wohnzimmerfenster blickte. Ja, jüpo, und es gibt noch eine Steigerung: Sonderurlaub in Bödefeld…
… wenn man einen solchen Sahnetag erwischt wie Franz und ich. Bödefeld ist eines von zwölf Bundesgolddörfern im Sauerland, um sie herum führen ebenso viele Golddorf-Routen. In Bödefeld heißt die Tour „Hollenpfad“. Golden und bronzefarbig leuchten die belaubten Berge, die Ansicht ist eine Pracht, und so versteigt sich Franz schon bald zu einem herzhaften „Boah!!“ (Superlativ von „herrlich“, seinem Lieblingsbeiwort). Oberhalb des Dörfchens wiederkäuen gelassen zottelige Kyloe-Rinder. Sagenhafte Dorfgeschichte gibt es auch: Um 850, so schildert es eine Info-Tafel, wurde ein Pferdedieb namens Buddo von Sachsenkriegern zu Tode gesteinigt und vom Missionar Ludgerus wieder zum Leben erweckt.

Vom Vollstau weit entfernt

Ein gutes Stück führt der Pfad entlang der renaturierten Palme. Das Bächlein mickert vor sich hin und erinnert an die bedrohlichen Leerstände der Sauerländer Talsperren. „Von Februar bis Oktober sind zwischen Duisburg und Winterberg nur knapp 60 Prozent des mittleren langjährigen Niederschlags gefallen. Der Gesamtfüllstand der Ruhrverbandstalsperren liegt aktuell nur noch bei rund 47 Prozent vom Vollstau“, meldete der Ruhrverband und reduzierte den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestdurchfluss der Ruhr in Schwerte und Hattingen.

Der pflückt einfach alles weg!

Und was hat das mit uns zu tun? Das hier: Nur zwei! Nur zwei Steinpilze in der gesamten Saison! Das ist die mit Abstand schlechteste Ausbeute des Jahres seit Erfindung des Steinpilzes. Im November noch raschelt und knistert das Laub trocken unter unseren Füßen. Der Pilz an sich aber braucht aber Niederschlag und Feuchtigkeit und nördlich von Altenhundem lässt sich keiner von den Kameraden sehen. Ein gewisser Michael S., nicht verwandt mit dem gleichnamigen Michael S. dieser Seite, belegt auf dem Pilzticker (hier) wöchentlich große Funde an Maronen und Steinpilzen mit Fotos. Der pflückt einfach alles weg!

Ein „Schleifchen” am Hollenpfad

Wo ich mich gerade aufrege: Franz extemporiert mal wieder, heißt: Er legt eines seiner „Schleifchen“ an die Golddorf-Route. Denn der Hollenpfad ist mit neun Kilometern etwas, was Du vor dem Frühstück machst. Alsbald genießen wir den Panoramablick auf den langgezogenen Kamm der Hunau mit dem hoch aufragenden Funkturm. Die Hunau wirft schon früh am Tag langgezogene Schatten hinunter auf Osterwald, die Fachwerkhäuser liegen wie schwarzweiße Würfel im goldbraun getupften Wald. Yo, der Abstecher hat sich gelohnt, meint Franz. Auf dem Kamm liegt das Grab eines unbekannten Soldaten, der im April 1945, kurz vor Kriegsende, getötet wurde. Sinnlos. Krieg ist scheiße, egal wann und wo.
Auf dem Weg hinunter treffen wir wieder auf die Golddorf-Route und das Hollenhaus, der Sage nach eine Höhle im Berg. Hollen, gutmütige Fabelwesen schenkten Kindern glänzende Steine, Gold, das raffgierige Menschen anlockte. Das Hollenhaus ist noch heute ein imponierend steil abstürzender Felsvorsprung. Hollen haben wir nicht mehr gesehen, genauso wenig wie Steinpilze. Ein Fluch, ich sage es euch!

 

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