Auf der Hinnenwiese

Von Franz (Fotografie) und Michael (Text) – Ziemlich aprilig, das Wetter bei der Anreise nach Bülbringen. Der Name klingt süddeutsch, Bülbringen ist jedoch ein Ortsteil(chen) von Ennepetal. Es hat den wanderstrategischen Vorteil, oberhalb der Hasper Talsperre gelegen zu sein.

Den Einstieg in die Strecke müssen wir im Ort suchen, er liegt etwas versteckt, ist aber ein federnder, weil mit groben Holzspänen ausgelegter Pfad. Franz gibt Martin und mir gleich eine Lektion in Naturkunde. Die eigenartig aussehenden grünen Winzlinge auf dem Waldboden, deren Blätter wir keinem Baum zuordnen können, sind die Keimblätter einer Buche. Später wachsen richtige Blätter dran.

Lärchen im nadeligen Kleid

Der Hasper Bach begleitet uns, ein ebener Weg, auf dem wir schnell ausschreiten, denn es ist noch richtig kalt. Echt, wirklich, ich weiß nicht, was die Vögel munter zu zwitschern haben. Bin mit drei Lagen erstmals an der Grenze zur Unterschichtigkeit gekleidet und habe Gottseidank Handschuhe mitgenommen.

Am Horizont fällt das Verwaltungsgebäude von Dorma mit wuchtiger Größe ins Auge. Oben auf der Hinnenberger Heide ist es deutlich grüner: Die Buchen treiben aus, die Lärchen legen ihr nadeliges Kleid an, die Birken tragen einen gelblichen Hauch und manche Wiese strotzt schon mit gesunden grünen Wangen.

Leben im Einklang mit der Natur

Die Volkssternwarte Ennepetal ist sehr klein, kein Volk passte hinein in den kleinen Kuppelbau, und ich vermute mal, Franz würde aus dem Guckloch ragen wie ein Panzerschütze aus dem Leo II. Hintervoßwinkel ist wirklich ein malerisches Ding, das aus einer Handvoll Häuser und drei Wörtern besteht: Weite, Sichten, Ruhe. Hier kann man leben, wie es dem US-Philosophen Ralph Waldo Emerson vorschwebte: im Einklang mit der Natur. “Build, therefore, your own world.”

Bucheckern knistern unter den Sohlen

In weiten Schlingen geht es nach Hasperbach hinunter. Mmmh, seltsamer Ort, irgendwie. Schnell wieder in den Wald. Trockene Bucheckernschalen knistern unter unseren Sohlen fast bis hinauf zum Forsthaus Kurk mit dem Waldpädagogischen Zentrum von Hagen. Da gibt es ein paar wunderbare Pilzecken, nicht wahr, Manja? Mit der früheren WR-Kollegin bin ich hier vor Jahren mal umhergestreift, weil sie die wunderbare Welt von Steinpilz und Co. kennenlernen wollte. Haben wir prompt auch gefunden, in Drubbeln hockten sie im grünen Moos, unweit des Forsthauses, und sogar den seltenen flockenstieligen Hexenröhrling aka Schusterpilz. Er kann von Laien jedoch leicht mit mit seiner giftigen Eminenz des Waldes, dem Satanspilz, verwechselt werden.

Die Kirschtorte ist ein echter Viertelpfünder

Die heimelige Waldgaststätte “Hinnenwiese” ist definitiv eine Einkehr wert, aber nicht von der Strecke aus, die wir gewählt haben. Um oben auf den Pass zu kommen, muss man vom Forsthaus Kurk ein erhebliches Stück über die Straße hochlaufen. Kirsch- und Stachelbeertorte sind auch ohne Sahne echte Viertelpfünder und erhöhen das spezifische Schlendergewicht erheblich. Warum eigentlich Hinnenwiese? Kommt das von der mittelhochdeutschen Hindin (Hirsch ihm seine Frau bzw. Hirschkuh) und trafen sie sich hier auf einer Wiese? Wir lassen die Vermutung mal so auf einem Bein im Wald stehen.

Wildschweine “malen” an den Bäumen

Vom Ausflugslokal geht es auf Pfaden weiter, und verflixt, es wäre doch auch mal schön, eine Tour ohne Verlaufen hinter sich zu bringen. Aber neiiiin, der Herr Wanderkartenwart muss Martin und mich mal wieder mit auf einen seiner Stolperwege ins Nirgendwo nehmen. Wäre Franz Pilot, ich würde vor dem Start mein Testament machen, ich schwör!* Nach dem Blindflug durchs Unterholz – nur um 50 Meter verpeilt – führt ein sehr schöner Waldweg zum Stausee hinunter. Feucht ist es an den Hängen und matschig, mehrere Suhlen werden intensiv von den Schwarzkitteln genutzt, anschließend “malen” sie an den Bäumen ihren Schlammpanzer samt Ungeziefer ab. Die Talsperre ist bis zum Kragen gefüllt, träge liegt die Wassermasse da. Träge steigen wir wieder nach Bülbringen hoch. 18 Kilometer oder was, ließen sich aber gut bewältigen.
* ;-)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*
Website