Gelände ohne Ende

Von Franz (Fotografie) und Michael (Text) – Manchmal findet man sich an Orten wieder, da wollte man gar nicht hin. Wir reden hier nicht von Orientierungslosigkeit im Gelände, sondern von einem technischen Malheur, das @dieschlenderer nach Haus Opherdicke führte.

Ein 2-Meter-Mann in einem Smart – hätte ich gerne gesehen, das Bild. Franz, wie lenkst Du denn darin, in Fetalhaltung? Leider gab die Batterie seines Wägelchens auf, also hole ich Franz zuhause ab.

Sauerland, best country in the world

Das Wasserschloss Haus Opherdicke auf dem Kamm des Ardeygebirges – neben regionaler Feudalgeschichte haften Erinnerungen an gute Zeiten des Tageszeitungsjournalismus an dem alten, top restaurarierten Gemäuer. Machen wir erstmal einen Bogen darum und schwenken in den Park ein, in dem ein Grünspecht unaufhörlich wiehert. Auf der Südseite von Haus Opherdicke ist die Sicht über das Land grandios, ganz hinten im Nebel liegen gestaffelt die Höhenzüge des Sauerlandes. Um es mit the @realDonaldTrump zu sagen: nice country, best in world. True.

Echt jetzt: „Panzer schaffen Lebensräume”

An der Stephanskirche und anderen, gut erhaltenen Steinhäusern vorbei biegen wir auf den Truppenübungsplatz Hengsen-Opherdicke ab. Wo früher Kettenfahrzeuge den Boden pflügten und Bundeswehrsoldaten in der Mocke robbten, präsentiert sich heute eine naturbelassene, hügelige Parklandschaft und viel freies Geplente. Nach wie vor werde der Platz für militärische Zwecke genutzt, heißt es. Ein Bild auf einer Informationstafel der Bundeswehr lässt uns kichern: „Panzer schaffen Lebensräume.“ Meinen die das ernst vor dem geschichtlichen Hintergrund, dass da mal einer war aus Braunau, derrr Panzerrr rrrollen liss fürrr ein Volkk ohne Rraumm?

Es folgt: ein bisschen viel Straße

Ohne Flachs: Die Kettenfahrzeuge haben tiefe Spuren hinterlassen, in denen sich Stillgewässer mit Röhrichtzonen bildeten, Heimat für Wat- und Wasservögel, dichte Hecken bieten seltenen Vögeln und Schalenwild Schutz. Das schert Hundebesitzer nicht, sie lassen ihre Tiere trotz Verbotes frei laufen. Erst 2016 drohte die Standortverwaltung der Bundeswehr in Unna damit, wegen dieser Vorfälle das Gelände für Spaziergänger wieder zu sperren.

Nach dem Truppenübungsplatz folgt – nach Altendorf hinunter – ein bisschen viel Straße für unseren Geschmack, dann feister Morast, scheinbar endlose Felder, elend lange Überlandleitungen, so muss man sich Trostlosigkeit bildlich vorstellen. Das Landschaftsbild wird unterlegt mit Großstadtrauschen, monoton und irgendwie beruhigend (dass ich hier nicht wohne;-). Oberhalb von Billmerich schaut man bis Schwerte mit seinem alles überragenden Umsetzer, Dortmund mit seinem Fernsehturm, auch den Tower des Flughafens kann man an seinem Leuchtfeuer erkennen.

Verzogenes Stadtwild

Eine Mountainbikestrecke in einem kleinen Eichenhain bietet dem Auge Abwechslung, wieder huscht sehr nah vor uns ein Rudel Rehe quer über den Pfad. Verzogenes Stadtwild, hält wohl nichts von einer ordentlichen Fluchtdistanz.

Ja, dann sind wir zurück am Haus Opherdicke, wo vor mehr als zehn Jahren ein rauschendes Fest des Qualitätsjournalismus gefeiert wurde. Hunderte Multiplikatoren aus Wirtschaft, Sport, Verwaltung und Politik Westfalens amüsierten sich auf Einladung einer Regionalzeitung, deren Redaktionen es heute nicht mehr gibt. Sie hatte sich noch einmal richtig schön gemacht vor ihrem Tod, die alte Dame Rundschau.

Trösten wir uns in der schmucken Gastronomie von Haus Opherdicke, die einen überwältigenden Weitblick Richtung Süden gestattet. In der Ferne liegt das schönste Land der Welt. True.

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