Blaue Luft

Von Franz (Fotos) und Michael (Text) – Fredeburg lag bisher immer nur am Weg, wir haben den Kurort geschnitten wie eine Tangente einen Kreis berührt: nah dran, aber vorbei.

Vorbei. Denn die aktuelle Tour beginnt mitten im Kurort, an der Georgskirche. Durch den Kurpark hoch schrauben wir uns mit zügigem Schritt, was die Lungen mit heftiger Frequenz quittieren. Recht bald geht es wieder hinunter, an der Schiefergrube Magog vorbei. Wir sehen schwarz an der Schrott-, äh Steinhalde der Grube. Schiefer, ein akustisches totes Material. So ein Stein als resonanzminderndes Sedativum unter die heimische Röhrenvorstufe stellen… Wobei: Der Fredeburger Schiefer wird auch in erstklassigen Lautsprecherboxen von Fischer&Fischer verbaut. Schwer, und schwer teuer, aber exzellent im Klang.

Häuser mit langen Schatten

Gegenüber unserer Strecke liegt der Fredeburger Ortsteil Holthausen. Die Schatten einer Reihe von Häusern auf dem Bergkamm sind ans Fundament gefesselt und werden von der tiefstehenden Sonne auf 150 Meter Länge gedehnt. „Das wird ja immer besser!“ ruft Franz. Die Welt liegt friedlich im Dunst, oben reißt der Himmel auf und wir atmen blaue Luft. Einem kleinen Feuersalamander ist dieser Frieden nicht vergönnt. Er liegt, offenbar nach einer feindlichen Attacke, kälte- und totenstarr auf dem Weg.

Im Krötental

Wegen einer kleinen Kirche steigen wir eigens nach Huxel runter. Darin hängt die Dorffahne, mit einem Frosch (?) im Wappen. Huxel – Hucke – Kröte – Ohl – Hukeshohl=Krötental, lautet die Übersetzung des Dorfnamens. Vom Holthauser Ohlberg, 580 m hoch, genießen wir den Blick über das Hochsauerland mit einem Winteröhrchen. Nein, ich knabbere nicht an Franz‘ Ohrläppchen; Winteröhrchen sind, neben den kaltgefrorenen am Kopf, eine Erfindung einer örtlichen Bäckerei, zubereitet mit adventlichem Zimt. Von hier sieht man den sagenumwobenen Wilzenberg, den wir sicherlich auch noch erschlendern werden. Mythen aus vorchristlicher Zeit ranken sich um ihn, aber dazu ein anderes Mal mehr. Am Fuß des Berges wird Golf gespielt.

Moppern hilft

Weil wir einen großen Teil des Weges auf dem Sauerländer Höhenflug gehen, ein Einwurf: „Richtig schön ist der Höhenflug hier mit breiten Wegen nicht, auch wenn es ein paar gute Perspektiven gibt“, meint Franz. Ich glaube: moppern hilft, denn gerade haben wir den Höhenfluch verflucht, da bietet er uns einen schönen Single Trail an. Geht doch.

Nein, diesen Asphalt gehe ich nicht

Der Kamm der Hunau ist vereist und verschneit. Rechts liegt der markante, weithin sichtbare Fernmeldeturm, vor uns eine Hütte. Rundherum hat tatsächlich jemand Schnee geräumt (hoffentlich ordnungsgemäß bis 7 Uhr!). Jetzt zeigt sich aber, dass Franz bei der Streckenplanung verwachst hat. Wir müssten ein ganzes Eck Straße gehen und auch, wenn sie unter Schnee liegt: Wir mögen bei Wanderungen keinen Asphalt. Also machen wir das, was wir immer machen in solchen Situationen: quer durch den Wald improvisieren.

Im Tal liegt ein Grund, weshalb sicher wieder nach Fredeburg kommen werden. Das Café Klatsch im Ort. Wirklich selbstgebackene Torten, eine aus vielen Stilen zusammengesuchte Inneneinrichtung und ein wahrer Spruch: „Je mehr du wiegst, desto schwerer kannst Du entführt werden! Schütze dich selber und iss Torte.“

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