Kampf der Elementchen

Von Franz (Fotografie) und Michael (Text) – Horch, wer schneit von draußen rein? Es sind zwei lange Schlenderlein. Dass diese Einleitung auf Kindergartenniveau hier steht, hat einen Grund, zu dem wir später kommen werden. Erstmal verorten wir uns im Raum, genauer gesagt in Valme-Pochwerk.

Bödefeld ist unser Ziel, und um dahin zu gelangen, müssen wir ein ziemlich langes Stück durchs ziemlich lange Valmetal wandern. Hier liegt noch gut Schnee, nach dem reichen weißen Segen am Sonntag (der übrigens zur ersten Winterüberschreitung des Mount Weilenscheid bei Elspe führte). „Reichte die Höhe schon für Schneeschuhe?“ will Franz wissen. Ganz sicher, aber nur für ein paar Stunden, dann hatte der nachfolgende Regen die Landschaft wieder blank geputzt. Im Valmetal weht schon eine steife Böe, was die Wanderung zu einer kalten Angelegenheit und manchmal, auf gefrorenem Untergrund, zu einem wahren Eiertanz macht. Eisige Strukturen liegen unter dem Schnee. Matsch ist zu riffeligen Graten gefroren. Und vor uns am Horizont, als wir die L740 Richtung Kreuzberg überqueren, liegt eine ganz schwarze Front vor uns.

Der Stöger, das iss einer!

Jou, über was haben wir geredet? Über Bücher wie Robert Menasses „Hauptstadt“ oder die „Geschichte der Bienen“, die uns etwas unzugänglich scheinen. Letztere Geschichte, sie stammt von Maja Lunde, kommt, wie wir auf dem glatten Untergrund, einfach nicht von der Stelle.

Und sicher! Der 2:0-Sieg der Borussen in Mainz vom Vorabend darf nicht fehlen. Der Stöger iss einer, einer von den guten, seriösen Trainern und ein feiner Sportsmann dazu. Der Sieg der Borussen sei auch der guten Arbeit seines Vorgängers Peter Bosz zuzurechnen, hat er gesagt, und einem vorlauten Sportreporter, der dem in Köln entlassenen Trainer Stöger „besseres Spielermaterial“ in Dortmund vorhielt, entgegnete er: „Spieler sind kein Material.“ Reporter: „Naja, Sie wissen ja, was ich meine.“ Stöger: „Sie wissen auch, was ,ich‘ meine.“ Verbal sauber abgegrätscht.

SPD jetzt mit Bätschi-Politik

Nehmen wir jetzt mal die kindische Einleitung auf. Man fasst sich mittlerweile an den Kopf, was bei den Bundespolitikern aller Parteien in Berlin abgeht. Sie setzen sich nicht zur Regierungsfindung zusammen und tun Butter bei die Fische, nein, sie sondieren erstmal, ob sie kommende Woche Sondierungen aufnehmen wollen, versichern, keine „roten Linien“ im Gepäck zu haben, dafür statt GroKo eine halbgare KoKo, zu der uns nur das Anhängsel -lores einfällt, sowie eine „Das-wird-teuer-Bätschi!“-Politik (Andrea Nahles). Und man denkt: Herr Chulz ist nicht das einzige Problem der SPD…

Der Kreuzweg ist tief verweht

Zum Kreuzberg oberhalb von Bödefeld geht es steil hoch und wir sind froh, von der gemächlichen Valmer Seite aufzusteigen. Je höher wir kommen, desto höher liegt der Schnee und macht das Wandern auf verharschtem Grund beschwerlich. Mehrere Stationshäuschen des Kreuzweges umringen die Kreuzbergkapelle, weshalb Du den Eindruck bekommst, es handle sich um eine Kapellensiedlung. „Im schönen Spiegel der Natur siehst Du des großen Gottes Spur“, weiß eine Infotafel auf dem Kreuzberg. Wir sehen nur: Da, dahinten, da treibt eine mächtige Schneewand auf uns zu. Wir stiefeln durch tiefe Verwehungen in den Ort hinunter, froh, den 1,5 Kilometer langen Kreuzweg zum Kreuzberg hoch nicht umgekehrt, strait outta Bödefeld gegangen zu sein. Kreuzwege im Sauerland sind eine sehr ernsthafte Angelegenheit, Du musst dich anstrengen, sie zu bewältigen und beides, Anstrengung und Ernsthaftigkeit, wünschst Du dir auch in Berlin.

Klar, dass wir uns die “Hand” ansehen

Ausgemachte Sache, dass wir uns in der Kirche die „Schwarze Hand von Bödefeld“ anschauen. Sie liegt eingangs gleich rechts in Kinderaugenhöhe in einer kleinen, beleuchteten Mauernische und ist nicht schwarz, sondern gelblich-ockerfarben. Viele Schauergeschichten ranken sich um die mumifizierte Hand, und wer im Sauerland groß geworden ist (ich), wurde mit der Mär des ungehorsamen Kindes verschreckt. Weil es seine Mutter geschlagen hat, wuchs die Hand des Kindes im Tode immer wieder aus der Erde. Fakt ist: Es handelt sich um eine echte Mädchenhand, vor rund 250 Jahren bei Grabungen gefunden.

Kristalle beißen ins Gesicht

Zeit, zurück nach Valme-Pochwerk zu gehen. Schneefall und Wind haben an Intensität zugelegt, wir kämpfen uns über einen tief verwehten Höhenweg vorwärts. Schneekristalle beißen windseits ins Gesicht, Böen peitschen lange Fahnen über das Hochplateau und lassen lange, wellige Schneezungen über die Felder lecken. „Ah, ist das schön“, stöhnt der Lange. Eh, eh, eh, war nicht erotisch gemeint. Die beiden alten Schlenderlein sind nur froh, den Elementchen noch die Stirn bieten zu können.

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